Das Haus der Kunst ist ein öffentliches Museum ohne eigene Sammlung und ein weltweit führendes Zentrum für zeitgenössische Kunst. Es ist der Untersuchung der Geschichte und der Geschichten der zeitgenössischen Kunst verpflichtet; im Mittelpunkt stehen Ausstellungen, Recherche und Wissensvermittlung.
Durch sein Programm unterstreicht das Haus der Kunst, dass die Entwicklungslinien der zeitgenössischen Kunst global und vielschichtig verlaufen und nicht durch geografische, konzeptuelle und kulturelle Grenzen einzuschränken sind.
Das Haus der Kunst schärft den Blick auf die zeitgenössische Kunst, indem es unterschiedliche Standpunkte einbezieht und ein interdisziplinäres Programm von höchster künstlerischer Qualität und kultureller Relevanz anbietet. So schafft es einen kritischen Kontext, um die historische Dimension des Zeitgenössischen zu untersuchen, zu definieren und zu vermitteln.
Ein Vulkan ist niemals nur ein Berg. Er ist ein Riss in der Erdoberfläche, ein Drucksystem, ein stets drohendes multisensorisches Ereignis, ein Archiv der Tiefenzeit. In seiner immersiven audiovisuellen Installation KRAKATOA (2026) setzt sich der Filmemacher und Künstler Carlos Casas mit dem indonesischen Vulkan als filmischem Thema, ökologischer Schwelle und lebendigem Mythos auseinander. Carlos Casas wird bei der kostenfrei zugänglichen Eröffnung der Installation am Sonntag, 28.6.26 um 18 Uhr im Haus der Kunst anwesend sein und ebenso seinen Film persönlich in München vorstellen.
Im Mittelpunkt des Werks steht Kesuma, ein junger Fischer aus Bagan auf einer Bambusplattform in der Nähe von Krakatoa, inspiriert durch die Schilderung von Roni Herliyansah, einem Überlebenden des Ausbruchs von 2018. Seine Reise führt vom Meer zur Insel, von verwüstetem Gelände zu dichter Vegetation, von der Höhle ins imaginäre Innere der Erde. Mit seiner Ouvertüre, vier Teilen und einem Epilog bewegt sich der Film durch wechselnde Wahrnehmungsmodi, von Unterwasserlicht und Drohnenaufnahmen bis hin zu Wärmebildern und mikroskopischen Aufnahmen. Er endet mit einer flackernden Sequenz aus 6.371 Einzelbildern, eines für jeden Kilometer zwischen der Erdkruste und dem Erdkern, unterlegt mit einer Klangkomposition, die aus seismischen Daten abgeleitet wurde. Der letzte Abschnitt entfaltet sich als monumentale und bewegende Hommage an die radikalsten Visionen des experimentellen Kinos des 20. Jahrhunderts.
Der Vulkanausbruch von 1883 war weit über den Ort des Geschehens hinaus zu spüren. Sein Lärm war über Tausende von Kilometern hinweg zu hören, seine Asche drang in die Stratosphäre vor und sorgte in den folgenden Monaten weltweit für jene seltsamen Sonnenuntergänge, die damals dokumentiert wurden. Zeitgleich mit der Entstehung der weltweiten Kabelkommunikation und des frühen Kinos wurde Krakatau zu einem der ersten Naturphänomene, das als weltweite Nachricht die Runde machte.
Nicolas Beckers Klangkomposition vereint Infraschall, seismische Daten und Feldaufnahmen und stützt sich dabei auf die Gasometer-Aufnahmen des Ausbruchs von 1883, die in der Royal Institution in London aufbewahrt werden. Der Klang ist eine präzise historische Rekonstruktion, während das Bild spekulativ ist. Diese Umkehrung der herkömmlichen Hierarchie, in der das Bild die Fakten vermittelt und der Klang die Atmosphäre schafft, ist eine Prämisse des Werks.
Carlos Casas (geb. 1974 in Barcelona) ist Filmemacher und Künstler, der in den Bereichen Experimentalfilm, Installation und Ton arbeitet. Seine END-Trilogie (2003–2010), die in Patagonien, am Aralsee und in Sibirien spielt, zeichnet das Leben an den extremsten Rändern des Planeten nach. Avalanche (seit 2009), gedreht in einem verschwindenden Dorf im Pamir, wird für jede Präsentation neu geschnitten und vertont. Mit Sanctuary (Tate Modern, 2017) und Cemetery (2019) entwickelte Casas gemeinsam mit dem Musiker Chris Watson und dem Tonspezialisten Tony Myatt eine Infraschallumgebung rund um die Reise eines Elefanten zu seinem mythischen Friedhof. Neben seinen Filmen hat er ein umfangreiches Werk an Aufnahmen und Veröffentlichungen auf Labels wie Discrepant, Matière Mémoire und Second Sleep produziert.
Dauer
So 28.6.2026 - So 26.7.2026
Ort
Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
D-80538 München
Seit 2008 taucht Tao Schirrmacher, Europameister im Flusssurfen, auf den Grund des Münchner Eisbachs hinab, um verlorene Gegenstände ans Licht zu bringen. Was mit einem wertvollen -Goldring begann, ist seitdem zu einer beeindruckenden Sammlung von Fundstücken und Artefakten angewachsen: Schmuck, Autoschlüssel, Uhren, Patronen und Luftpistolen aus dem Zweiten Weltkrieg, Devotionalien, Werkzeuge, Telefone, Fotoapparate, Filmaufnahmen und vieles mehr.
Wie die Gegenstände selbst, scheinen auch ihre Geschichten versunken und vergessen, tief unter der Oberfläche verborgen. Doch nicht ihr materieller, sondern ihr emotionaler und historischer Wert macht sie bedeutsam. Ein Gegenstand wird wertvoll, weil er Erinnerungen in sich birgt, Geschichten erzählt und Beziehungen zu Menschen, Orten, Erlebnissen oder besonderen Momenten herstellt. Die Präsentation dieser Sammlung entstand aus dem Wunsch heraus, diesen Objekten ihre Geschichten zurückzugeben – oder neue über sie zu erzählen. Die Ausstellung schafft weitere Verbindungen und Assoziationen zwischen dem Haus der Kunst, dem Eisbach und dem Englischen Garten.
Kuratiert von Sabine Brantl
(Bild: Tao Schirrmachers Sammlung. Eisbach Treasures
Foto: Tao Schirrmacher )
Dauer
Fr 26.6.2026 - So 7.2.2027
Ort
Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
D-80538 München
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Bewertungen & Berichte Tao Schirrmachers Sammlung. Eisbach Treasures
Museum
Maria VMier
Die in München und New York ansässige Künstlerin Maria VMier (geb. 1985, Passau) gestaltet ein neues Auftragswerk, das sich über verschiedene Orte innerhalb des Haus der Kunst erstreckt. Inspiriert von mündlichen Überlieferungen von Mitarbeitenden, die seit Jahrzehnten im Haus tätig sind, arbeitet VMier vor Ort an einer Konstellation miteinander verbundener Kunstwerke: einer ortsspezifischen Installation am Personaleingang, parasitär anmutenden Skulpturen, einer neuen Serie von Arbeiten auf Papier sowie einem eigens für diesen Anlass produzierten Künstler*innenbuch.
Im Mittelpunkt der künstlerischen Praxis von Maria VMier steht die Malerei, die sich von Schreibgesten und vielgestaltigen, eigenwilligen Markierungen hin zu komplexen Formationen entwickelt hat, die ständig in Bewegung scheinen. Für VMier ist die Malerei nicht nur ein Ort der Verkörperung oder des Ausdrucks, sondern auch eine Praxis der Forschung, Erfahrung und des (Ver-)Lernens. Ihre künstlerische Tätigkeit umfasst kontextspezifische und gemeinschaftsorientierte Arbeiten ebenso wie Installationen, Künstler*innenbücher und Objekte. Das Zentrum ihres Schaffens bildet der Körper als Werkzeug des Wissens – ein Ort politischer Auseinandersetzung wie auch der Freude. Wiederkehrende Themen sind die Bedingungen künstlerischen Arbeitens, die Dynamik von Macht und Begehren, Institutionen als formbare Strukturen und die Beschäftigung mit der Natur, dem Unsichtbaren und dem Unbekannten.
Kuratiert von Xue Tan
(Bild: Maria VMier, linking one to the other, holding their difference [∞], 2024-25,
Pigmentierte Kalligraphietinte, Tusche, Pigmente, Graphit, Vinyl und Acryl auf Butcher Paper, 500 × 355 cm; Foto: Maria VMier
Dauer
Fr 26.6.2026 - So 7.2.2027
Ort
Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
D-80538 München
„Steina: Playback“ ist die erste Retrospektive von Steina (geb. 1940, Reykjavík, Island) in Deutschland, einer Wegbereiterin der Video- und Medienkunst. Als klassisch ausgebildete Violinistin wandte sie sich Ende der 1960er-Jahre dem Medium Video zu und näherte sich ihm mit musikalischer Sensibilität. In ihrer Praxis erzeugt sie Bilder durch Klang und umgekehrt. Video wird zur Schwingung, zu einem Strom, der einzelne Elemente in erfahrbare Umgebungen verwandelt. Steina bringt Rhythmus und Resonanz in ihre elektronischen Experimente ein und behandelt das Signal als ein Medium, das die Wahrnehmung in etwas Veränderliches und Lebendiges transformiert.
Von den frühen dokumentarischen Experimenten bis hin zu raumgreifenden Mehrkanal-Installationen bezeugt die Ausstellung Steinas lebenslanges Streben nach dem, was sie als „maschinelles Sehen“ bezeichnet: eine spielerische, nicht anthropozentrische Perspektive, die die Wahrnehmung über die Grenzen des Menschlichen hinaus erweitert. Ihre Praxis verlagerte sich von den Landschaften Islands in die experimentellen Infrastrukturen von New York und Buffalo. Heute werden ihre Arbeiten in den wichtigsten Institutionen der Medienkunst in ganz Europa gezeigt.
„Playback“ steht in Resonanz mit unserem weiteren Programm, das generationsübergreifend ausgerichtet ist und bei dem Klang und Musik ein polyfones Rückgrat der Ausstellungsgestaltung bilden. Steinas Environments entfalten sich wie Partituren: Stimmen brechen in Loops, Bilder dehnen sich in rhythmischen Intervallen aus, und Landschaften schwingen kontrapunktisch mit. Jedes Werk komponiert sich gleichsam selbst in Abhängigkeit von seinem Beziehungsgeflecht – es verändert sich, wird fragmentiert und polyfon. Steinas Werke bleiben stets offen, sind nie abgeschlossen und tragen ihren Rhythmus weiter wie Echos in einer fortlaufenden Partitur, in der Kunst und Wahrnehmung lauschen, sich anpassen und ständig neu orchestriert werden.
Die Ausstellung wird vom MIT List Visual Arts Center in Zusammenarbeit mit dem Buffalo AKG Art Museum organisiert. Sie wird co-kuratiert von Natalie Bell, MIT List Visual Arts Center, und Helga Christoffersen, Buffalo AKG Art Museum. Die koordinierenden Kuratorinnen im Haus der Kunst sind Lydia Antoniou und Marlene Mützel.
(Bild: Steina: Summer Salt, 1982 (still)
Einzelkanal-Video mit Ton; 19:10 min., Courtesy the artist and BERG Contemporary, Reykjavík)
Dauer
Fr 12.6.2026 - Mo 7.12.2026
Ort
Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
D-80538 München
Die „Ausstellung der Ausstellungen“ an den Wänden des Südosttreppenhauses ergänzt und setzt die Historische Dokumentation in der Archiv Galerie fort. Als begehbare Chronik konzipiert, bietet sie den Besucher*innen einen umfassenden Überblick über die Ausstellungen seit den 1990er Jahren und lädt dazu ein, den Wandel des Haus der Kunst zu einem wichtigen globalen Zentrum für zeitgenössische Kunst mitzuerleben.
Die Stiftung Haus der Kunst München, gemeinnützige Betriebsgesellschaft mbH wurde 1992 gegründet und arbeitet nach einem Modell öffentlicher und privater Finanzierung. Bis heute hat das Haus der Kunst über 300 Ausstellungen organisiert, darunter zahlreiche bedeutende Projekte mit Künstler*innen, die einen nachhaltigen Veränderungsprozess angestoßen haben. Diese Projekte führten zu veränderten Perspektiven auf die Kunstgeschichte, innovativen kuratorischen Ansätzen und ambitionierten Ausstellungskonzepten, die sowohl inhaltlich als auch formal erweitert und neu gedacht wurden.
Diese Chronik entstand im Rahmen einer kontinuierlichen Archivierungsarbeit, die die Geschichte und die künstlerischen Programme des Haus der Kunst dokumentiert. Sie bildet die Grundlage für eine vielschichtige Reflexion, die über die Geschichte der eigenen Institution hinausgeht und eine kritische Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart ermöglicht, um den Blick für die Zukunft zu öffnen.
Kuratiert von Sabine Brantl
Grafische Gestaltung: Jean-Pierre Meier, Bureau Borsche
Dauer
Mo 23.12.2024 - Do 31.12.2026
Ort
Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
D-80538 München
Das Haus der Kunst ist ein öffentliches Museum ohne eigene Sammlung und ein weltweit führendes Zentrum für zeitgenössische Kunst. Es ist der Untersuchung der Geschichte und der Geschichten der zeitgenössischen Kunst verpflichtet; im Mittelpunkt stehen Ausstellungen, Recherche und Wissensvermittlung.
Durch sein Programm unterstreicht das Haus der Kunst, dass die Entwicklungslinien der zeitgenössischen Kunst global und vielschichtig verlaufen und nicht durch geografische, konzeptuelle und kulturelle Grenzen einzuschränken sind.
Das Haus der Kunst schärft den Blick auf die zeitgenössische Kunst, indem es unterschiedliche Standpunkte einbezieht und ein interdisziplinäres Programm von höchster künstlerischer Qualität und kultureller Relevanz anbietet. So schafft es einen kritischen Kontext, um die historische Dimension des Zeitgenössischen zu untersuchen, zu definieren und zu vermitteln.
Buchhandlung Walther König
Telefon + 49 89 25544 498
Goldene Bar im Haus der Kunst
Telefon +49 89 54804 777
Öffnungszeiten:
Mo | Mi | Fr | Sa | So 10-20 Uhr
Do 10-22 Uhr
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Kontakt
Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
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