Aufführungen / Oper
Bayerische Staatsoper München
München, Max-Joseph-Platz 2
- Heute: Ariadne auf Naxos
- Premiere: Siegfried
- Premiere: C A R P A T H I A. Der Mythos der Untoten
- Führung durch das Nationaltheater
- Kinderführung „Abenteuer Oper"
- Common Ground

- Workshop - Macht Theater
- Kinderkonzert: Tierische Begegnungen
- Lucrezia Borgia
- Un Ballo in maschera

- La Bohème
- Die Zauberflöte
- La traviata
- Die Nacht vor Weihnachten
- Die Fledermaus

- Staatsoper.TV
- Die Bayerische Staatsoper gehört weltweit zu den führenden Opernhäusern.
Aufführungen / Theater
Volkstheater München
München, Tumblingerstraße 29
- Morgen: I WANNA CONTACT THE LIVING - Das Gespenstische von Canterville

- Premiere: Ein Volksfeind
- Premiere: Momo
- Premiere: Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten
- Was ihr wollt

- Andreas Bönte: Die Vergangenheit in mir: Meine Familie und die Schatten des Nationalsozialismus
- Die Geierwally
- Freddy & Friends
- Echtzeitalter

- Tatort Mittelmeer
- Tide

- Philophobia
- YAIMA
- Die Nacht der Autorinnen und Autoren der Süddeutschen Zeitung
- Don Karlos

- Grey

- Offene Wunde

- Moritz Hürtgen und Ronen Steinke
- U20 Poetry Slam
- Oskar Haag
- Die Nashörner

- Trauer ist das Ding mit Federn

- Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

- Elektra - 750 PS Vergangenheitsüberwältigung

- Hotel Matze
- Lichtspiel

- Vandalisbin
- Salon Sonnenberg #8
- Volksshow #27
- Felix Krull

- Annette Dittert
- Fischer Fritz

- Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben
- Münchner Poetry Slam-Stadtmeisterschaft 2026
- Mona Ameziane & Christine Westermann
- Alien Disko #7
- Das Haus versteht sich als Volks-Theater.
Aufführungen / Theater
Deutsches Theater München
München, Schwanthalerstraße 13
- Morgen: Disney: Der Glöckner von Notre Dame
- Hagen Rether – LIEBE
- Tahsim Durgun – Mama, bitte lern Deutsch
- KISS Forever Band
- Romeo & Julia – Liebe ist alles
- Andreas Gabalier
- Der Geist der Weihnacht
- Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
- Alexander Klaws – A very special Musical Christmas
- Die Päpstin – Das Musical
- Falco meets Amadeus
- Blechschaden mit Bob Ross
- Cinderella – Das Musical
- CHAKA – The Music of Chaka Khan
- Deutschlands größtes Gastspieltheater
Aufführungen / Theater
Staatstheater am Gärtnerplatz München
München, Gärtnerplatz 3
- Premiere: Die Reise nach Reims / Il viaggio a Reims
- Premiere: Die Landstreicher
- Strawinsky in Paris
- Kammerkonzert »VIELSAITIG«
- Der Karneval der Tiere
- Die Zauberflöte

- Workshops für Kinder
- Johann Adolf Hasse - Ein großer Europäer
- Oper_ette im Foyer: CARL MICHAEL ZIEHRER
- My Fair Lady

- Opernstudio goes Halloween
- Tango am Gärtnerplatz
- Orchesterkonzert: Richard Strauss
- Les Misérables

- Kammerkonzert »HEITERES UND TIEFES«
- Drei Männer im Schnee

- Aschenbrödel
- La Traviata

- Das Staatstheater am Gärtnerplatz ist ein Haus mit einem einmaligen Profil und einer über 150-jährigen Tradition.
Aufführungen / Theater
Residenztheater München
München, Max-Joseph-Platz 1
- Heute: König Lear
- Morgen: Die Dreigroschenoper
- Premiere: Faust I
- Cabaret

- Maria Stuart

- Ödipus

- Der Zerbrochne Krug

- Munich Machine

- Gschichtn vom Brandner Kaspar

- Die Rückseite des Lebens

- Die Präsidentinnen

- Blind

- Prima Facie

- Abschied

- Pippi Langstrumpf

- Lapidarium

- Das Residenztheater ist eines der größten und bedeutendsten Sprechtheater Deutschlands.
Konzerte / Aufführung
Silbersaal München
München, Schwanthalerstraße 13
- Morgen: Frau Julia sucht das große Glück
- Wenn Bühne auf Leben trifft
- Bavarian Burlesque Festival
- Tatty Macleod
- Gloria Gray 6.0
- The Elvis Presley Roadshow
- Günther Grauer – Musikalische Erinnerungen: Mit Schlagern bis Hollywood
- Der Münchner LIVE
- Himmel, nochmal!
- Vickys Shit Show
- Del Plata Gran Milonga
- Operation Schneeschmelze
- Magic Maxl – Zaubern verboten!
- Vom Winde verweht
- Gina’s Christmas Comedy Show – Live!
- Ich liebe das Leben
Aufführungen / Cabaret
Weltstadtbrettl Theater für gehobenen Firlefanz
München, Schleißheimer Str. 22-24
Aufführungen
| Oper
Aufführungen
| Schauspiel
Lapidarium
Residenztheater
Rainald Goetz, der vielfach ausgezeichnete Ausnahmeautor, hat die Uraufführung seines neuesten Theatertexts Hausregisseurin Elsa-Sophie Jach anvertraut. Der Text ist eine wilde Mischung der Genres: Tagebuch und Requiem, verwoben mit Szenen aus einem wahnwitzigen Drehbuchvorhaben mit Helmut Dietl und Franz Xaver Kroetz, dem Goetz das Stück auch widmet. Und er erweist darin seiner bayerischen Heimat Reverenz, der Stadt München genauso wie dem Voralpenland. Verspielt, poetisch, abgründig, absolut undramatisch – und selbstredend genial. « (...) währenddessen hatten wir den Monopteros einmal umrundet und gingen zurück Richtung Eisbach, wo die Leute in der Nachmittagssonne unter den hohen Bäumen lagen, und ich hatte ein solch immenses Sehnsuchtsgefühl nach diesem München, durch das wir gingen, dass ich plötzlich sagte , ich kann dir nicht helfen, aber probieren würde ich es gern (….) » Der neueste Theatertext von Rainald Goetz ist eine wilde Mischung der Genres: Tagebuch und Requiem, verwoben mit Szenen aus einem wahnwitzigen Drehbuchvorhaben mit Helmut Dietl und Franz Xaver Kroetz, dem er das Stück auch widmet. Und er erweist seiner bayerischen Heimat Reverenz, der Stadt München genauso wie dem Voralpenland. Verspielt, poetisch, abgründig, absolut undramatisch – und selbstredend genial. Gefeiert als radikal aufrichtiger Beobachter des Jetzt richtet der vielfach ausgezeichnete Ausnahmeautor Goetz nun seinen Blick auch auf Vergangenes wie in die Zukunft: Er erinnert sich an den Beginn seiner Karriere und zeichnet Hinterlassenschaften von ausschließlich männlichen Wegbegleitern auf, neben den bereits genannten melden sich etwa Herbert Achternbusch, Josef «Sepp» Bierbichler, Albert Oehlen, Benjamin von Stuckrad-Barre oder Michael Rutschky zu Wort. Und er bereitet sich selbst auf das eigene Verschwinden vor. Der 1954 in München geborene Rainald Goetz wird zum ersten Mal am Residenztheater gespielt. Er legt die Uraufführung von «Lapidarium» – die Bezeichnung steht für eine Sammlung von Steinskulpturen – in die Hände von Hausregisseurin Elsa-Sophie Jach. Das Stück ist der letzte Teil einer Trilogie, die mit «Im Reich des Todes» (uraufgeführt 2020) begann, einer Auseinandersetzung mit dem Terror des 11. September, gefolgt von «Baracke» (uraufgeführt 2023), das den Terror der NSU thematisiert. Mit der Uraufführung von «Lapidarium» beginnt die Beschäftigung mit der bunten und bewegten Geschichte Münchens in der Spielzeit 2025/2026, die sich mit einer Uraufführung von Albert Ostermaier und einem Projekt über Freddie Mercury fortsetzen wird. Inszenierung: Elsa-Sophie Jach Bühne: Aleksandra Pavlović Kostüme: Johanna Stenzel Musik: Lena Geue Licht: Gerrit Jurda Video: Jonas Alsleben Dramaturgie: Almut Wagner Dauer: 2 Stunden 15 Minuten, Keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Abschied
Residenztheater
Ein letzter Tag in Paris, die letzten Stunden einer großen Liebe und die Gewissheit, dass nichts so bleiben wird, wie es war. In «Abschied» erzählt Sebastian Haffner von der letzten Begegnung mit seiner Geliebten Teddy. Zwischen Cafés, Museumsbesuchen, flüchtigen Begegnungen und intensiven Gesprächen verdichtet sich das noch unbeschwerte Lebensgefühl der frühen 1930er-Jahre. Der Roman begleitet die beiden durch Stunden voller Nähe, Zweifel und Hoffnung bis zum Moment am Bahnsteig, der sie unwiderruflich trennt. Poetisch, atmosphärisch dicht und sehr persönlich schildert Sebastian Haffner nicht nur das Ende einer großen Liebe, sondern auch den Abschied von der eigenen Jugend und einer Epoche kurz vor ihrem Untergang. Nur wenige Wochen benötigte Haffner 1932 für die Niederschrift dieses bis vor kurzem noch unveröffentlichten Romans. Regisseur Matthias Rippert bringt den Stoff nun erstmals auf die Bühne und setzt damit nach dem Erfolg von «Blind» seine Arbeit am Residenztheater fort. Inszenierung: Matthias Rippert Bühne: Sarah Schmid Kostüme: Marie Sophie Heinen Musik: Hans Könnecke Dramaturgie: Michael Billenkamp Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Faust I
Residenztheater
Premiere: 6.11.2026 »Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust« – Goethes Faust beschreibt damit nicht nur ein persönliches Drama, sondern eine Erfahrung moderner Subjektivität: Das Ich erscheint als Gefüge widersprüchlicher Kräfte. Goethes Drama zeigt den modernen Menschen als Getriebenen einer Logik permanenter Steigerung – zwischen Selbstkontrolle, Konsum und Zerstörung. Ulrich Rasche zeigt dieses Geschehen als inneres Kammerspiel. Die Figuren verkörpern Kräfte eines zerrissenen Bewusstseins; Mephisto wird zu einem dunklen Schatten des Subjekts selbst. Seit dem 16. Jahrhundert gehört die Erzählung des Doktor Faust, der seine Seele dem Teufel verschreibt, zum Kernrepertoire der europäischen Literatur. Ende des 18. Jahrhunderts erfährt der Stoff durch Johann Wolfgang von Goethe eine radikale Transformation. Seine Arbeit am Faust-Projekt umfasst einen Zeitraum von etwa sechzig Jahren. In seinem Opus magnum entwirft Goethe einen Reflexionsraum, der – semantisch überdeterminiert, ausufernd und unausdeutbar – den Blick weit ins 19. Jahrhundert bis in die Moderne hinein öffnet. Mit dem berühmten Diktum »Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust« beschreibt Goethes Faust nicht nur sein persönliches Drama, sondern eine Erfahrung, die zum Kennzeichen moderner Subjektivität geworden ist: Das Ich erscheint nicht mehr als geschlossene Einheit, sondern als Gefüge widersprüchlicher Kräfte. Faust ist nicht als historische Einzelgestalt zu lesen, sondern als ein Modellfall der Gegenwart: leistungsfähig, erfolgreich und stets in Bewegung. Er optimiert sich, funktioniert und bleibt zugleich in permanenter Distanz zu sich selbst gefangen. Seine Zerrissenheit verweist auf eine Existenzform, in der das Subjekt sich selbst formt und zugleich an den eigenen Ansprüchen zerbricht. Ulrich Rasche, vielfach ausgezeichnet für seine formstrengen, durchkomponierten Inszenierungen, verdichtet dieses Geschehen zu einem zeitgenössischen Kammerspiel. Die Bühne wird zum inneren Raum, in dem die Figuren Kräfte eines zerrissenen Bewusstseins verkörpern. Mephisto tritt weniger als äußere Macht auf denn als Schatten des Faust selbst – als Ausdruck seiner eigenen zerstörerischen Impulse. Die Macht, die Faust antreibt, kommt nicht von außen, sondern aus ihm selbst. Goethes Drama zeigt den modernen Menschen als Getriebenen einer Logik unablässiger Überschreitung. Die Spannung zwischen Selbstkontrolle und Kontrollverlust schlägt in Gewalt um – nicht nur als individuelles Verhalten, sondern als Folge einer gesellschaftlichen Dynamik, die Steigerung und Zerstörung untrennbar miteinander verbindet. Eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen Inszenierung und Bühne: Ulrich Rasche Komposition und Tondesign: Alfred Brooks Kostüme: Annika Lu Video: Florian Seufert Licht: Gerrit Jurda Körperarbeit: Yannik Stöbener Dramaturgie: Yvonne Gebauer, Constanze Kargl
Aufführungen
| Schauspiel
Prima Facie
Residenztheater
Tessa Ensler ist eine knallharte Strafverteidigerin. Mit Anfang dreißig hat sie geschafft, was die wenigsten ihr zugetraut hätten: den Weg aus einem Milieu ohne Privilegien an die Eliteuni und dann in die Topkanzlei. Ihre Königsdisziplin ist die Verteidigung in Fällen sexueller Übergriffe. Ist ihre Freispruchrate so hoch, weil sie eine Frau ist, wie geunkt wird? Oder weil sie so gut Lücken und Widersprüche in den Aussagen der weiblichen Opfer aufspürt? Tessa ist jedenfalls stolz, dass sie ihr Gegenüber im Zeugenstand nicht quält wie manch anderer Kollege, aber sie glaubt auch an das Rechtssystem, das im Zweifel zugunsten der Angeklagten entscheidet. Doch diese Überzeugung wird erschüttert, als sie selbst vergewaltigt wird. Der Täter ist kein Unbekannter, sondern ihr Kollege Julian, mit dem sie eine Büroaffäre, vielleicht aber auch der Beginn einer tieferen Liebesbeziehung verbunden hat. Als sie Anzeige erstattet, ist ihr klar, dass die Anscheins- oder Prima-facie-Beweise nicht für sie sprechen – schließlich waren neben ihrer anfänglichen Anziehung auch mehrere Flaschen Wein im Spiel –, aber es geht ihr nicht nur um persönliche Gerechtigkeit, sondern auch um die Abrechnung mit einem von Männern geschaffenen Justizsystem, an das sie ihr Leben lang geglaubt hat. Wie Ferdinand von Schirach arbeitete auch die australische Autorin Suzie Miller selbst als Strafverteidigerin – und zwar im Menschenrechtssektor, heute schreibt sie für Theater, Film und Fernsehen. «Prima Facie» wurde 2020 mit den wichtigsten australischen Preisen für neue Dramatik ausgezeichnet sowie mit dem Olivier Award, der höchsten Auszeichnung im britischen Theater. 2022 feierte es im Londoner Westend Erfolge und seit Frühjahr 2023 ist es am New Yorker Broadway zu sehen. Das furiose Monodrama, in dem Tessa Stück für Stück ihre Lebensgeschichte erzählt und alle auftauchenden Figuren gleich mitspielt, inszeniert Hausregisseurin Nora Schlocker, die in den vergangenen Spielzeiten sowohl Gegenwartsdramatik als auch Klassiker feinfühlig und klar auf die Bühne gebracht hat. aus dem Englischen von Anne Rabe Inszenierung: Nora Schlocker Bühne und Kostüme: Marie Caroline Rössle Musik: Albrecht Zieper Licht: Gerrit Jurda Dramaturgie: Almut Wagner Altersempfehlung: ab 14 Jahren Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Blind
Residenztheater
aus dem Niederländischen von Eva M. Pieper und Alexandra Schmiedebach Erfolgsdramatikerin Lot Vekemans trifft mit ihrem neuen Stück den Nerv der Zeit. Mit großer Sensibilität erzählt sie von Vater und Tochter, gespielt von Manfred Zapatka und Juliane Köhler, die unvereinbar scheinende Haltungen zu gesellschaftlichen und politischen Themen haben, und fragt, wie diese Konflikte überwunden werden können. Nach dem Tod seiner Frau lebt Richard abgeschottet in einer streng bewachten Gated Community. Seine langjährige Haushälterin hat er ohne ersichtlichen Grund entlassen. Nun nimmt er seine einzige Tochter Helen in die Pflicht, ihn zu versorgen, da er zunehmend pflegebedürftig wird. Zwischen Vater und Tochter herrschte lange Funkstille, trennt die beiden doch mehr, als sie verbindet. Richard – als ehemaliger erfolgreicher Ingenieur für Wasserwirtschaft immer noch mit einem großen Ego ausgestattet – respektiert weder Helens idealistische Berufsauffassung als Anwältin noch die Wahl ihres Ehemanns, eines Schwarzen Intellektuellen. Helen wiederum wirft ihm vor, sich den Herausforderungen einer sich verändernden Gesellschaft zu entziehen, in der bewusster über Fragen von Geschlechtergerechtigkeit und Rassismus nachgedacht wird und in der nur der sorgsamere Umgang mit den knappen Ressourcen der Natur die Existenz nachfolgender Generationen garantiert. Bei einer der Stippvisiten der Tochter schließen die elektrischen Rollläden automatisch – so wie es bei einem Überfall vorgesehen ist. Vater und Tochter sind gezwungen, miteinander auszuharren. «Wie sollen wir miteinander leben?», fragt die meistgespielte niederländische Dramatikerin Lot Vekemans in ihrem neuen Stück und trifft damit den Nerv der Zeit. Sie zeigt auf eine sehr menschliche Weise die u vereinbar scheinenden Haltungen, die in vielen Familien und Freundeskreisen für Dissens und Konflikt sorgen. Vekemans’ Solo «Niemand wartet auf dich» mit Juliane Köhler wurde am Residenztheater mit großer Resonanz gestreamt. In «Blind» spielt sie an der Seite von Manfred Zapatka. Die deutschsprachige Erstaufführung von «Blind» inszeniert der Regisseur Matthias Rippert, der mit seinen präzisen Interpretationen zeitgenössischer Dramatik auf sich aufmerksam gemacht hat. Inszenierung: Matthias Rippert Bühne: Fabian Liszt Kostüme: Alfred Morina Musik: Robert Pawliczek Licht: Markus Schadel Dramaturgie: Almut Wagner Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, Keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Die Präsidentinnen
Residenztheater
Der österreichische Dramatiker Werner Schwab gilt als radikaler Erneuerer des Volksstücks und Sprachvirtuose. Für seine Komödie «Die Präsidentinnen» schuf er mit Erna, Grete und Mariedl drei unverwechselbare Frauenfiguren, die mit böser Bauernschläue und rasanter Sprachakrobatik ihren bescheidenen Platz im Leben zu verteidigen suchen und dabei über ihren Größenwahn stolpern. «Oft sind es die wenigen schönen Dinge im Leben, und kaum greift man diese schönen Sachen an, schon hat man schon wieder einen Scheißhaufen in der Hand.» Wir befinden uns in einer bescheidenen Wohnküche, der Fernseher läuft, es predigt der Papst. Erna, Grete und Mariedl, drei Damen unterschiedlichen Alters und Naturells, sind seine treuesten Anhängerinnen. Aber eigentlich finden sie es viel interessanter, über sich selbst zu reden. Dabei ziehen sie mit lustvoller Rhetorik über die Welt da draußen im Allgemeinen und über die jeweils anderen beiden im Speziellen her. Sie erfinden Fantasiewelten, in denen sie der Mittelpunkt, in denen sie die Stars sind. Darin feiern sich vor allem Erna und Grete, die sich an ihren mit Halbwissen und Doppelmoral gespickten Sprachpirouetten so lange selbst berauschen, bis die Jüngste, das Mariedl, sie unsanft aus ihren Träumen reißt und auf den Boden der Tatsachen zurückholt, was zu keinem guten Ende führt. Der österreichische Dramatiker Werner Schwab – 1994 im Alter von nur fünfunddreißig Jahren verstorben – gilt als radikaler Erneuerer des Volksstücks und als Sprachvirtuose, der mit seinem «Schwabisch» einen ganz neuen Bühnensound erfand. Gleich zu Anfang seiner Karriere schuf er in seiner Komödie «Die Präsidentinnen», die zu seinen «Fäkaliendramen» zählt, drei unverwechselbare Frauenfiguren, die mit Bauernschläue und Überlebenswillen ihren bescheidenen Platz im Leben zu verteidigen suchen und dabei über ihren Größenwahn stolpern. Nach ihrer Inszenierung von Samuel Becketts «Warten auf Godot» für einen «all male cast» bringt Hausregisseurin Claudia Bauer Schwabs modernen Klassiker für drei Schauspielerinnen hochmusikalisch auf die Bühne. Inszenierung: Claudia Bauer Bühne: Andreas Auerbach Kostüme: Vanessa Rust Dramaturgie: Constanze Kargl Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, Keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Die Rückseite des Lebens
Residenztheater
aus dem Französischen von Claudia Hamm Die Dramatikerin Yasmina Reza («James Brown trug Lockenwickler») ist fasziniert von Gerichtsprozessen, in ihrem Erzählband sind ihre Beobachtungen der vergangenen Jahre zusammengefasst. Lakonisch und pointiert beobachtet sie die Momente, in denen unbegreifliche Taten bewertet, widerstreitende Aussagen für wahr oder fasch befunden werden müssen, oft ganze Leben auf dem Kipppunkt stehen – und fängt wie nebenbei ein Panorama der menschlichen Existenz ein. Die Hausregisseurin Nora Schlocker richtet die Texte für die Bühne ein. Die Dramatikerin Yasmina Reza («James Brown trug Lockenwickler») ist fasziniert von Gerichtsprozessen, in ihrem Erzählband sind ihre Beobachtungen der vergangenen Jahre zusammengefasst. Lakonisch und pointiert beobachtet sie die Momente, in denen unbegreifliche Taten bewertet, widerstreitende Aussagen für wahr oder fasch befunden werden müssen, oft ganze Leben auf dem Kipppunkt stehen. Sie stellt emotionale Ausbrüche neben nüchterne Sachberichte, monströse Gewalttaten neben Betrugsdelikte und unterlassene Hilfeleistung. Wie nebenbei fängt sie dabei ein Panorama der menschlichen Existenz ein – vom Prekariat bis in die obersten Regierungskreise. Die Hausregisseurin Nora Schlocker richtet die Texte für die Bühne ein und lässt Ensemble und Publikum die Prozesse gemeinsam Revue passieren. Wie weit lässt sich ein Fall vor Gericht überhaupt rekonstruieren? Welche Fakten sind ausschlaggebend für unsere Parteinahme, für unsere Empathie? Oder ist, wie im Theater, letztendlich die Performance im Zeugenstand ausschlaggebend? «Die Rückseite des Lebens» ist ein Plädoyer für die Fragilität eines jeden Lebens und unserer Annahmen von Gerechtigkeit. Szenische Einrichtung: Nora Schlocker Musik: Hans Könnecke Licht: Markus Schadel Dramaturgie: Katrin Michaels Dauer: 1 Stunde 5 Minuten, Keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Gschichtn vom Brandner Kaspar
Residenztheater
Nach einem Vierteljahrhundert kehrt der Brandner Kaspar wieder ans Residenztheater zurück – und wie! Denn fast ebenso lange ist es her, dass Franz Xaver Kroetz erklärte, nicht mehr für das Theater veröffentlichen zu wollen. Doch für den Brandner Kaspar, den bayerischsten aller Theaterstoffe, hat er sich doch noch einmal überreden lassen und seinen «Brandner Kaspar» für das Residenztheater geschrieben, wo er nun zur Uraufführung kommen wird. In Anlehnung an Franz von Kobells Mundarterzählung erzählt Kroetz die Geschichte von dem bayerischen Sturschädel, der sich nicht einmal dem leibhaftigen Tod, dem Boanlkramer, beugen will, sehr ehrlich und berührend, dabei ganz unsentimental und mit viel Humor. Natürlich bescheißt auch bei Kroetz Brandner den Boanlkramer mit reichlich Kerschgeist beim Kartenspielen, aber der Preis, den er für die gewonnenen achtzehn Lebensjahre zahlt, ist hoch. Denn als seine geliebte Enkelin, das Seferl, beim Almabtrieb stirbt, ist er plötzlich allein. Seine Frau ist schon vor Jahren gestorben und von seiner Tochter erreichen ihn nur noch Postkarten aus der Ferne. Die Einsamkeit nimmt ihm alle Lebensfreude, aber die Angst vor dem Tod und vor dem, was danach kommt, ist einfach zu groß, um freiwillig auf seinen Gewinn zu verzichten und vorzeitig abzutreten. Aber der Boanlkramer, dem ein fuchsteufelswilder Petrus im Nacken sitzt, hat eine Idee: Ein Fenster im Himmel gewährt Einblick in das Paradies und ein kurzer Blick «kost ja nix»… Als Kaspar Brandner kehrt auch Günther Maria Halmer ans Residenztheater zurück und zusammen mit dem Münchner Film-, Schauspiel- und Opernregisseur Philipp Stölzl werden sie die «Gschichtn vom Brandner Kaspar» als ein «großes Bilderbuch, denn das Stück ist natürlich ein Märchen» wie es in der Szenenanweisung bei Franz Xaver Kroetz heißt, auf die Bühne bringen. In Anlehnung an Franz von Kobells Mundarterzählung erzählt Franz Xaver Kroetz die Geschichte von dem bayerischen Sturschädel, der sich nicht einmal dem leibhaftigen Tod, dem Boanlkramer, beugen will, sehr ehrlich und berührend, dabei ganz unsentimental und mit viel Humor. Als Kaspar Brandner kehrt auch Günther Maria Halmer ans Residenztheater zurück und zusammen mit dem Münchner Film-, Schauspiel- und Opernregisseur Philipp Stölzl werden sie die «Gschichtn vom Brandner Kaspar» als ein «großes Bilderbuch, denn das Stück ist natürlich ein Märchen» auf die Bühne bringen. Franz Xaver Kroetz wurde 1946 in München geboren. Nach dem Schulabbruch besucht er eine private Schauspielschule in München, später dann das Max-Reinhardt-Seminar in Wien, beides beendet er vorzeitig. Nach der Schauspielprüfung der Bühnengenossenschaft erstes Engagement am Büchner-Theater München. Kontakt mit Rainer Werner Fassbinders «antitheater». Zeitgleich hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Er führt Regie am Tegernseer Bauerntheater und schreibt eine Vielzahl von Stücken, die er verbrennt. Zwischen 1968 und 1969 entstehen seine ersten heute noch erhaltenen Stücke, u. a. «Wildwechsel» (UA 1971, Städtische Bühnen Dortmund) und «Heimarbeit» (UA 1971, Münchner Kammerspiele). Aufgrund eines einjährigen Dramatikerstipendiums des Suhrkamp-Verlags kann Kroetz sich ganz dem Schreiben widmen und schafft den Durchbruch. 1971 entstehen die Werke «Stallerhof» (UA 1972, Deutsches Schauspielhaus Hamburg), «Wunschkonzert» (UA 1973, Staatstheater Stuttgart), «Geisterbahn» (UA 1975, Ateliertheater am Naschmarkt Wien) und «Lieber Fritz» (UA 1975, Staatstheater Darmstadt). Kroetz wird zum meistgespielten deutschsprachigen Gegenwartsdramatiker und inszeniert seine Stücke auch zum Teil selbst. Seine Uraufführungen lösen oftmals Skandale aus und es kommt zu Protestdemonstrationen. 1971 tritt er in die Deutsche Kommunistische Partei DKP ein. Im selben Jahr verfilmt Rainer Werner Fassbinder «Wildwechsel», weitere Fernsehverfilmungen seiner Stücke, auch in Eigenregie, folgen. Bis 1977 schreibt er mindestens zwanzig Stücke, so auch «Agnes Bernauer» (UA 1977, Schauspielhaus Leipzig). Sie werden zahlreich ausgezeichnet, «Das Nest» erhält 1976 den Mülheimer Dramatikerpreis. Immer wieder arbeitet er auch als Schauspieler im Theater, Film und Fernsehen. Einen großen Bekanntheitsgrad erhält er 1986 durch seine Rolle als Klatschreporter Baby Schimmerlos in der Fernsehserie «Kir Royal». 1994 wird «Der Drang» als eine Neubearbeitung des Stücks «Lieber Fritz» an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt. Seine letzten Arbeiten am Residenztheater München waren die Bearbeitung von Ludwig Anzengrubers «Der Gewissenswurm» (2007), «Du hast gewackelt. Requiem für ein liebes Kind» (UA 2012), «Agnes Bernauer» (2021) und «Der Drang» (2022). Auftragswerk Inszenierung und Bühne: Philipp Stölzl Mitarbeit Bühne: Franziska Harm Kostüme: Kathi Maurer Komposition und musikalische Leitung: Michael Gumpinger Video: Simon Wimmer Licht: Gerrit Jurda Dramaturgie: Michael Billenkamp Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, Keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Munich Machine
Residenztheater
Ein Ufo in Weißwurstform landet vor der Bayerischen Staatskanzlei: Film oder Realität? Albert Ostermaiers neues Stück ist eine liebevolle Hommage an den 2022 verstorbenen Filmpoeten Klaus Lemke und zugleich Hymne auf und Abrechnung mit seiner Heimatstadt München. «Hier München, mein Stripclub, Schillerstraße, Klassiker, Goethestraße, Gomorra und Paradies, Techno, Punk und Zwiefacher, Protest und Party, Bayern und Babylon, Gerd Müller und der Bomber, alles, was du nie zusammendenken könntest, steht hier nebeneinander wie ein Fitnessgerät neben dem anderen.» Ein Ufo in Weißwurstform landet vor der Bayerischen Staatskanzlei: Film oder Realität? Für den Schwabinger Filmpoeten und Asphaltcowboy Klaus Lemke macht das keinen Unterschied. Doch aus dem Raumschiff steigt ein echter Außerirdischer! Sie sind auf der Suche nach einer Idee, nach einer gesellschaftlichen Utopie für ihren Heimatplaneten. Und München scheint ihnen das ideale Studienobjekt. Lemke wittert einen großen Stoff und so begeben sie sich gemeinsam auf eine ebenso rasante wie wahnwitzige Zeitreise durch die Geschichte Münchens. Sie durchleben die Höhen und Tiefen dieser Stadt und begegnen dabei Legenden wie Helmut Dietls Tscharlie aus den «Münchner Geschichten» beim Ritt durch das Siegestor, dem jungen Franz Josef Strauß genauso wie dem noch unbekannten Wladimir Iljitsch Lenin im Schelling-Salon der Jahrhundertwende. Sie landen mitten in den Schwabinger Krawallen 1962, den Olympischen Spielen 1972 oder werden Zeugen bei der Ausrufung der Räterepublik. Albert Ostermaiers neues Stück «Munich Machine» ist ein großartiges Theatertriptychon, ein dreiteiliges Altarbild Münchens: zugleich Hymne auf und Abrechnung mit seiner Heimatstadt – über den Munich Sound von DJ Hell und darüber, was die Stadt einmal war, heute ist und morgen sein könnte. Vor allem aber ist es eine liebevolle Hommage an den großen Münchner Filmemacher Klaus Lemke, der 2022 im Alter von einundachtzig Jahren verstorben ist. Mit «Munich Machine» gibt der vielfach ausgezeichnete Künstler und Theaterregisseur Ersan Mondtag sein Debüt am Residenztheater. Zuletzt wurde seine Performance «Monument eines unbekannten Menschen» für den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig 2024 von Publikum und Kritik gleichermaßen gefeiert. Albert Ostermaier, 1967 geboren, lebt als freier Schriftsteller in München. Er ist einer der meistgespielten deutschen Dramatiker der Gegenwart. Seine Stücke wurden u.a. von Karin Beier, Andrea Breth, Kay Voges und Nuran David Calis uraufgeführt. Er schrieb für Komponisten wie Peter Eötvös und arbeitet mit DJ Hell. Seine Werke wurden in über 20 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter dem Kleist-Preis, dem Bertolt-Brecht-Preis, dem Ernst-Toller-Preis und dem «Welt»-Literaturpreis für sein literarisches Gesamtwerk. Zudem leitete und rief er international bekannte Literaturfestivals ins Leben. Im August 2025 erscheint sein neuer Roman «Die Liebe geht weiter» bei Matthes & Seitz Berlin. Inszenierung, Bühne und Kostüme: Ersan Mondtag Mitarbeit Bühne und Kostüm: Lorenz Stöger Komposition / Musikproduktion: DJ Hell, Benedikt Brachtel Licht: Gerrit Jurda Video: Luis August Krawen Dramaturgie: Michael Billenkamp, Till Briegleb Dauer: 3 Stunden, 1 Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Der Zerbrochne Krug
Residenztheater
Richter Adam hat ein gravierendes Problem: Nicht nur hat er mit den schwerwiegenden Folgen seines nächtlichen Alkoholkonsums zu kämpfen, sondern auch mit dem plötzlichen Auftauchen seines Vorgesetzten Walter, der die Rechtsprechung in der Provinz unter die Lupe zu nehmen gedenkt. So ist Adam genötigt, coram publico einer Gerichtsverhandlung vorzusitzen, in der er gegen sich selbst ermitteln muss. Mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versucht er dabei zu verschleiern, dass es sich bei dem unbekannten Täter der letzten Nacht um ihn selbst handelt. Ein Kupferstich von Jean-Jacques André Le Veau, der einen zerbrochenen Krug in einem juristischen Rahmen zeigt, diente Heinrich von Kleist 1802 angeblich als Anlass für einen «poetischen Wettkampf» unter Freunden, aus dem «Der zerbrochne Krug» hervorging. Am Modell eines niederländischen Dorfgerichts im ausgehenden 17. Jahrhundert zeigt Kleist, dass institutionell nicht Recht gesprochen, sondern Macht ausgeübt wird. Selbst Jurist, übte der Dichter scharfe Kritik an der zeitgenössischen Rechtspraxis, die bei der Uraufführung 1808 in Weimar – inszeniert von niemand Geringerem als Johann Wolfgang von Goethe – vom ansässigen Adel als «moralischer Aussatz» degoutiert wurde. Heinrich von Kleist, einer der bedeutendsten deutschen Dichter, hatte bei Publikum und Kritik ausgespielt – mit einer der bedeutendsten deutschsprachigen Komödien, bis heute auf Bühnen gern gesehen. Dabei entpuppt sich Kleists abgründiges Lustspiel als Enthüllungsdrama um sexualisierte Gewalt, Machtmissbrauch und Tatsachenverschleierung – und somit um einen veritablen Justizskandal. Der «Zeit»-Literaturchef und Schriftsteller Adam Soboczynski wies darauf hin, dass «die Aufrichtigkeit, das Vertrauen bei Kleist sich als fragil erweisen und blendende Verstellungskünstler sein Werk prägen». Dorfrichter Adam ist einer ihrer schillerndsten Vertreter und als Figur so modern, dass er wie eine (Aus-)Geburt einer an Manipulationen so reichen Gegenwart aus dem Geist der Geschichte wirkt. Inszenierung: Mateja Koležnik Bühne: Christian Schmidt Kostüme: Ana Savić Gecan Licht: Verena Mayr Dramaturgie Constanze Kargl Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, Keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Ödipus
Residenztheater
aus dem Englischen von Christina Schlögl Ödipus, dem Spitzenkandidaten der neuen politischen Bewegung, ist der Wahlsieg so gut wie sicher. Doch warum werden die Umstände des tödlichen Verkehrsunfalls seines Vorgängers unter Verschluss gehalten? Und was hat es mit den Fake News um seine Herkunft auf sich? Ödipus beginnt zu ermitteln – allen Warnungen zum Trotz. Der britische Regisseur und Dramatiker Robert Icke übersetzt wie schon in seiner Schnitzler-Aktualisierung «Die Ärztin» einen Klassiker des Theaters radikal in die Gegenwart. Ickes «Ödipus» blickt hinter den Mythos und ist Familientragödie und Politthriller zugleich. «Two people can live inside an illusion. Add a third – and the curtain comes down.» In der Wahlkampfzentrale des Spitzenkandidaten wird das Mobiliar schon abtransportiert. Noch zwei Stunden bis zur Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Ödipus, dem Spitzenkandidaten der neuen politischen Bewegung, die für Veränderung, für Hoffnung und Aufbruch steht, ist der Sieg so gut wie sicher. Für Ödipus und seine Familie sind die letzten privaten Stunden angebrochen: Bald schon ist er Staatsmann, bald ist Iokaste wieder First Lady des Landes, bald sind Antigone, Eteokles und Polyneikes Politikerkinder. Als Ödipus’ Mutter Merope unangekündigt im Kreis der Familie erscheint und auf ein Vier-Augen-Gespräch mit ihrem Sohn drängt und als ein angeblicher Seher die Schatten der Vergangenheit und Schrecken der Zukunft heraufbeschwört, beginnt Ödipus nachzubohren. Warum werden die Umstände des tödlichen Verkehrsunfalls seines Vorgängers unter Verschluss gehalten? Und warum versucht man Ödipus davon abzuhalten, seine Geburtsurkunde zu veröffentlichen, um den Fake News von seiner fragwürdigen Herkunft endlich den Wind aus den Segeln zu nehmen? Ödipus bohrt tiefer, stellt Fragen und die Zeit verrinnt, bis alles auf dem Tisch liegt – nicht nur das Wahlergebnis. Wie schon in seiner Schnitzler-Aktualisierung «Die Ärztin» hat der britische Regisseur und Dramatiker Robert Icke einen Bühnenklassiker radikal in die Gegenwart übersetzt. Seine Neudichtung ist Politthriller und Familientragödie zugleich. Icke blickt hinter den Mythos und legt jenen existenziellen Horror frei, der das noch immer verstörend Faszinierende an Sophokles’ «Ödipus» ausmacht: dass Lebenskonstrukte und scheinbares Glück von einem Augenblick auf den nächsten zerbrechen können, fundamental bis in die Grundfesten hinein. Inszenierung: Robert Icke Bühne: Hildegard Bechtler Kostüme: Wojciech Dziedzic Sounddesign: Tom Gibbons Sounddesign Associate: Erwin Sterk Licht: Natasha Chivers Lichtdesign Associate: Hector Murray Video: Tal Yarden Videodesign Associate: Taylor Edelle Stuart Dramaturgie: Lea Maria Unterseer Dauer: 2 Stunden 20 Minuten, Keine Pause
Aufführungen
| Schauspiel
Maria Stuart
Residenztheater
Intrigen, Verschwörungen, politische Ränkespiele – Schillers Trauerspiel zeigt den Machtkampf zwischen der englischen Königin Elisabeth I. und der schottischen Königin Maria Stuart. Was aber, wenn nur der Zufall über Macht und Ohnmacht entscheidet? Dann könnten die Rollen auch »getauscht« werden. So wird bei jeder Vorstellung gelost, welche der beiden Schauspielerinnen die Siegerin oder die Besiegte verkörpert. Maria Stuart, die entthronte schottische Königin, sucht in England Asyl, findet sich aber alsbald in Festungshaft, da ihre Tante, die englische Königin Elisabeth Tudor, Ermittlungen gegen sie aufnimmt: Maria war angeblich im Alter von siebzehn Jahren in die Ermordung ihres Ehemanns verstrickt – so die offizielle Anklage, gerüchtehalber aber auch in ein ganz aktuelles Umsturzkomplott. Schiller zeichnet keine seiner Protagonistinnen in besonders schmeichelhaftem Licht: Maria als impulsive Verführerin, Elisabeth als eifersüchtige und entscheidungsscheue Regentin. An Goethe schreibt er 1799 über seinen «poetischen Kampf mit dem historischen Stoff», bevor es ihm gelingt, «der Phantasie eine Freiheit über die Geschichte zu verschaffen». Und diese Freiheit besteht auch darin, aus der beliebten «Virgin Queen» – die in ihrer Regentschaft jahrelange Querelen mit Frankreich befriedete, den Staatshaushalt konsolidierte, den Grundstein von Seemacht und Commonwealth legte, eine Blütezeit für Künste und Wissenschaft schuf – eine Zauderin zu machen, die lieber sterben möchte, als über den Konflikt mit Maria zu entscheiden. Hier schreibt sich auch Schillers eigene Gegenwart in das Stück ein, in der wenige Jahre zuvor Marie Antoinette als eine der Frontfrauen des Absolutismus auf dem Schafott ihr Ende fand: «Dies Land, Mylady, hat in letzten Zeiten / Der königlichen Frauen mehr vom Thron / Herab aufs Blutgerüste steigen sehn». Denn im Hintergrund dieses Politthrillers um Ämternachfolge und Staatskonfession lauert immer der Volksaufstand, der schließlich beide Königinnen den Kragen kosten könnte. Schiller lässt nicht nur den Hofstaat, sondern auch seine Majestäten selbst zweifeln, ob es ein einzelner Mensch vermag, im Sinne eines Volks zu entscheiden, und exerziert diese «Furcht, die schreckliche Begleitung der Tyrannei» in allen Schattierungen durch. Er schreibt so nicht nur ein Stück über das Zögern einer Staatenlenkerin, sondern auch über die Notwendigkeit der Demokratie. Dass diese Debatte wie in der antiken «Orestie» ihren Anfang mit einem Gattenmord und ihr Ende im Irren der Entscheidung der Einzelnen findet, ist vielleicht kein Zufall. «Ein Stück über das NICHT-Handeln. Über die radikale Einsamkeit und unentrinnbare (Ohn-)Macht, in die eine menschliche Machthaberin hineingerät. Mich interessiert die Faszination dieser Frau an der anderen, das Erkennen ihrer selbst in der anderen. Und ihr schlussendliches TROTZDEM-Handeln, getrieben von einem in sich falschen System, in dem es nur die eine Entscheidung geben kann.» Nora Schlocker Inszenierung: Nora Schlocker Bühne: Irina Schicketanz Kostüme: Jana Findeklee, Joki Tewes Komposition und Sounddesign: Philipp Weber Licht: Gerrit Jurda Choreografie und Körperarbeit: Sabina Perry Dramaturgie: Constanze Kargl Bei dieser Inszenierung kommt Stroboskoplicht zum Einsatz. Die weiblichen Hauptfiguren Maria Stuart und Elisabeth werden beide von Pia Händler und Lisa Stiegler verkörpert. Die Besetzung wird zu Beginn jeder Vorstellung ausgelost. Altersempfehlung: ab 14 Jahren Dauer: 2 Stunden 20 Minuten, 1 Pause
Aufführungen
| Musical
Cabaret
Residenztheater
nach dem Stück «Ich bin eine Kamera» von John van Druten und Erzählungen von Christopher Isherwood aus dem Englischen von Robert Gilbert Das legendäre Musical «Cabaret» führt uns in die schillernde Welt des Kit-Kat-Clubs der 1930er-Jahre. Jeden Abend begeistert die enigmatische Künstlerin Sally Bowles mit ihrem berühmten Song «Life is a Cabaret» das Publikum, das Dekadenz und Diversität feiert. Der junge Amerikaner Clifford Bradshaw verfällt diesem sinnlich aufgeladenen Kosmos. Doch gleichzeitig zieht etwas Dunkles herauf, das sich immer stärker in den Alltag der lebenslustigen Lebenskünstler*innen einschleicht. «Willkommen, bienvenue, welcome ... Fremder, étranger, stranger …» So beginnt das legendäre Musical «Cabaret» – mit der lockenden Einladung des Conférenciers, die schillernde Welt des Kit-Kat-Clubs zu betreten, in dem die enigmatische Künstlerin Sally Bowles jeden Abend ihren berühmten Song «Life is a Cabaret» zum Besten gibt. Dieser Einladung folgt auch der junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw. Als Fremder ist er in die pulsierende Stadt gekommen, um keine Sekunde von dem zu verpassen, was in dieser pulsierenden Stadt hier vor sich geht. «Ich bin eine Kamera mit offenem Verschluss, ganz passiv, ich nehme auf, ich denke nicht.» Cliff – zunächst nur neugieriger Beobachter – verfällt zunehmend diesem sinnlich aufgeladenen Kosmos. Gleichzeitig zieht etwas Dunkles herauf – politisch und gesellschaftlich –, das sich immer stärker in den pulsierenden Alltag der Lebenslustigen einschleicht. Doch im Zustand des großen «Davor» wird gefeiert, getanzt und gesungen – ausgelassen, jubelnd und … irrsinnig! Für den britisch-amerikanischen Autor Christopher Isherwood (1904–1986), dessen zwei autobiografische Berlin-Romane als Vorlage für «Cabaret» dienten, war sein erster Besuch in dieser Stadt eines der einschneidendsten Erlebnisse seines Lebens. Hatte er «Berlin-Babylon» zunächst noch für einen «Reklamespruch» im Wettbewerb mit dem mythischen Paris gehalten, erlebte er in Berlin bald einen «gewaltigen Mummenschanz der Perversionen» und eine nie gekannte Freiheit. Als die politische Lage immer bedrohlicher wird, verlässt er schließlich Deutschland Richtung Griechenland: Als Homosexueller weiß er, dass er in Gefahr ist. Der international gefragte Opernregisseur Claus Guth nähert sich dem «Cabaret» – die legendäre Verfilmung entstand in München – aus seiner ganz eigenen Perspektive. Das detailliert-dokumentarische Zeitbild der 1930er-Jahre in Berlin wird für ihn zu einer Forschungsreise ins Innere. Ein unsicherer junger Mann, ein Schriftsteller, der noch nicht viel erlebt hat, probiert sich in allen Facetten seiner Möglichkeiten aus und findet – in der Konfrontation mit der größtmöglichen Intensität von Wirklichkeit – zu sich selbst und seiner Identität. Inszenierung: Claus Guth Musikalische Leitung: Michael Gumpinger Musikalische Assistenz: Stephen Delaney Bühne: Étienne Pluss Kostüme: Bianca Deigner Soundkomposition: Mathis Nitschke Licht: Gerrit Jurda Choreografie: Sommer Ulrickson Dramaturgie: Almut Wagner, Yvonne Gebauer Dauer: 3 Stunden, 1 Pause
Aufführungen
| Oper
Die Dreigroschenoper
Residenztheater
Unter dem gleichgültigen Mond von Soho versucht Londons Unterwelt Mackie Messer dingfest zu machen. Brecht, Hauptmann und Weill erschufen mit »Die Dreigroschenoper« (uraufgeführt 1928) eine völlig neue Form des Musiktheaters, mit Songs und Texten, so geschliffen scharf wie Macs Messer. Ein Stück über eine Gesellschaft, in der alles auf seinen Geldwert reduziert wird und Räuber*innen Bürger*innen sind – und umgekehrt. Die bevorstehende Krönungsfeier der Königin lässt Jonathan und Celia Peachum, Besitzer*innen der Firma »Bettlers Freund«, auf gute Geschäfte hoffen, schließlich vergeben sie an die Bedürftigen Bettellizenzen und streichen mindestens fünfzig Prozent Gewinnbeteiligung ein. Das ist auch dringend notwendig, denn die Geschäfte laufen schlecht und Mitleid ist Mangelware in diesen Tagen. Dass sich Tochter Polly heimlich mit Macheath, genannt Mackie Messer und Chef einer Banditenbande, verheiratet hat, führt bei den geschäftstüchtigen Eltern zu wenig Begeisterung. Man hat in das Kind schließlich investiert und sie für feinere und vor allem finanzkräftigere Kreise vorgesehen. Kurzerhand beschließen die Peachums, Mackie Messer an den Galgen zu bringen – buchstäblich. Und so zieht sich eine Spur von Verrat, Eifersucht, Bestechung und offenen Rechnungen durch Londons Unterwelt, um dem flüchtigen Macheath endlich das Handwerk zu legen. »… leider sind auf diesem Sterne eben die Mittel kärglich und die Menschen roh.« Basierend auf John Gays Barockopern-Persiflage »The Beggar’s Opera«, 1728 in London uraufgeführt, erschufen Bertolt Brecht, Elisabeth Hauptmann und Kurt Weill eine radikal neue Form des Musiktheaters. 1928 in Berlin am Theater am Schiffbauerdamm zur Uraufführung gebracht, zeigt »Die Dreigroschenoper« eine Welt, in der alles – ob Liebe, Mitleid oder Verbrechen – einen Geldwert hat und dementsprechend bewertet wird. Für die einen heißt es »erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral«, für die anderen kommt einfach nur das Fressen. Philipp Stölzl, für seine figurenzentrierten Regiearbeiten und poetischen Bühnenbilder gefeiert, inszeniert Bertolt Brechts und Kurt Weills Meisterwerk am Residenztheater. Inszenierung und Bühne: Philipp Stölzl Musikalische Leitung: Stephen Delaney Mitarbeit Bühne: Franziska Harm Kostüme und Puppen: Kathi Maurer Puppenbau und Einstudierung Puppenspiel: Christian Blank Choreografie: Sommer Ulrickson Licht: Gerrit Jurda Dramaturgie: Ewald Palmetshofer Dauer: 3 Stunden 20 Minuten, 1 Pause
Aufführungen
| Schauspiel
König Lear
Residenztheater
Premiere: 10.10.2026 aus dem Englischen von Kiki Miru Miroslava Svolikova Der Münchner Publikumsliebling und Ausnahmeschauspieler Manfred Zapatka in einer der ganz großen Titelfiguren William Shakespeares: König Lear. Es ist die Charakterstudie eines alternden, unberechenbaren Patriarchen und Tyrannen. Der launische Herrscher beschließt in einem Akt von Willkür, von heute auf morgen als König abzudanken und sein Erbe stattdessen an die nächste Generation weiterzugeben. Dafür will er das Reich unter seinen drei Töchtern aufteilen. Einzige Bedingung: Sie sollen öffentlich ihre bedingungslose Liebe zu ihm beteuern. Es entbrennt ein Wettbewerb der Schmeicheleien, dem sich die Jüngste, Cordelia, verweigert. Von seiner Lieblingstochter enttäuscht, verbannt Lear Cordelia und übergibt sein Reich an die beiden älteren, Goneril und Regan. Parallel dazu spiegelt sich Lears Schicksal im Hause Glosters: Dort spinnt Glosters unehelicher Sohn Edmund eine perfide Intrige gegen seinen rechtmäßigen Bruder Edgar, um sich das Erbe des Vaters zu sichern. Was in beiden Familien zunächst als Streit um die Nachfolge beginnt, entfaltet sich zu einer Tragödie von sprachlicher wie szenischer Wucht, die im Gesamtwerk Shakespeares ihresgleichen sucht. Als ein König ohne Macht und Land, verstoßen von den eigenen Kindern, bleibt Lear nur mehr die Flucht in den Wahnsinn und die Dunkelheit eines aufziehenden Unwetters – Mensch und Natur werden eins, der Sturm wird zum Spiegel von Lears innerem Leid und ist zugleich Vorbote dessen, was Lear und der Welt bei Shakespeare noch bevorsteht. »das ist die krankheit unserer zeit, dass verrückte blinde führen.« Nach »Romeo und Julia« inszeniert Hausregisseurin Elsa-Sophie Jach ein weiteres großes Shakespeare-Drama – ein schonungsloser Generationenkonflikt, ausgetragen auf höchster politischer Ebene und auf dem Rücken Unschuldiger. Inszenierung: Elsa-Sophie Jach Bühne: Marlene Lockemann Kostüme: Sibylle Wallum Komposition: Max Kühn Musikalische Leitung: Samuel Wootton Licht: Barbara Westernach Video: Jonas Alsleben Dramaturgie: Michael Billenkamp
Aufführungen
| Figurentheater
Pu, der Bär
Schauburg
Figurentheater Margrit Gysin (Schweiz) Das Glück der bekannten Kinderzimmerhelden liegt im Kleinen und Alltäglichen. Der honighungrige Bär Pu erlebt mit seinen Stofftier-Freunden Ferkel, Hase, Esel, Eule und Känguru kleine Kinderzimmer-Abenteuer, die nicht immer klappen, aber immer für alle gut ausgehen. Das liegt natürlich an Pu, der mit feinem Humor das Beste aus jeder Situation macht. Margrit Gysin ist eine wundervolle Geschichtenerzählerin, die seit fünf Jahrzehnten ihr Publikum in Bann zieht. In ihren Händen werden Alltagsdinge und Kinderzimmerbewohner lebendig und meistern mit leiser Schweizer Ironie ihr Schicksal. Eine der ganz großen Figurentheaterspielerinnen ist in München zu Gast. Sprache: Deutsch, Schwyzerdütsch www.figurentheater-margrit-gysin.ch Spiel / Regie: Margrit Gysin Dramaturgie: Irene Beeli Bühne: Vincent Mundschin Kleid: Yvonne Henzi Figuren: Bärbel Haage / Margrit Gysin Fotos: © Irene Beeli Altersempfehlung: ab 4 Jahren Dauer: ca. 45 Minuten
Aufführungen
| Comedy
Magic Mic – Stand-Up Comedy Open Mic
Schauburg
Magic Mic ist das neue Stand-Up Comedy Open Mic bei TREFFPUNKT SCHAUBURG in Ramersdorf. Hier testen Comedians neues Material, probieren Jokes aus und arbeiten an ihren Texten. Das Publikum erlebt dabei Comedy im Entstehen – von überraschend gut bis herrlich daneben kann alles passieren. Ab 18:00 Uhr öffnen wir das Café. Euch erwarten alkoholfreie kühle Getränke sowie Tee- und Kaffeespezialitäten. Um 20:00 Uhr beginnt die Show. Kommt vorbei, lernt neue Comedians kennen und unterstützt die Münchner Comedy- und Kulturszene! Line-up: Das aktuelle Line-up wird kurz vor der Veranstaltung auf Instagram bekannt gegeben. Hosts: Pegah Meggendorfer, Cordula Grünlich, Lena Loster, Rebecka mit CK und Hülya Weller Einlass: 18:00 Uhr Show: 20:00 Uhr Eintritt: frei Kostenlose Tickets: Tickets bei Eventbrite Im Rahmen von community building an der Schauburg In Kooperation mit der Beisheim Stiftung Community Building: Asmir Šabić Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Aufführungen
| Schauspiel
Elektra - 750 PS Vergangenheitsüberwältigung
Münchner Volkstheater
Agamemnon ist tot. Der gefeierte Kriegsheld wird gleich nach seiner Heimkehr von seiner Frau Klytaimnestra und ihrem neuen Liebhaber Aigisthos aus Rache für die Opferung der gemeinsamen Tochter Iphigenie ermordet. Die Geschwister Elektra und Orestes schwören daraufhin, ihrerseits Vergeltung für den heimtückischen Mord am geliebten Vater zu üben. Der Familienfluch ewiger Rache spinnt sich unerbittlich weiter und weiter – bis hinein in die deutsche Gegenwart. Denn in dieser radikalen Überschreibung von Lorenz Nolting und Sofie Boiten richtet sich Elektras Wut nicht länger auf die düstere Vergangenheit der eigenen Familie, sondern auf die belastete Familiengeschichte einer der reichsten Unternehmerdynastien Deutschlands: der Familie Quandt, deren Wohlstand nicht zuletzt auf der jahrelangen Ausbeutung von NS-Zwangsarbeiter*innen durch ihre Vorfahren beruht. Der antike Rachekomplex wird auf ein aktuelles Schuldgefüge angewendet und wirft so zentrale Fragen auf: Wie geht eine nachfolgende Generation mit dem Erbe großer Schuld um? Was bedeutet Verantwortung inmitten kollektiver Verdrängung? Und wie kann Widerstand oder Gerechtigkeit aussehen – auch jenseits archaischer Gewalt und göttlicher Ordnung? Lorenz Nolting und sein Team enthüllen mit ihrer Version des Elektra-Stoffes nicht nur das Fortbestehen von Machtstrukturen, sondern auch das enge Geflecht von Profit und Faschismus. Regie: Lorenz Nolting Künstlerische Mitarbeit: Sofie Boiten Bühne: Nadin Schumacher Kostüme: Lea Jansen Musik: Alexander Zwick Dramaturgie: Leon Frisch 2 Stunden 10 Minuten, keine Pause
Aufführungen
| Tanztheater