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Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Das Schauspielhaus ist die Hauptspielstätte. Der Zuschauerraum des von dem berühmten Architektenpaar Hermann Helmer und Ferdinand Fellner d. J. 1899/1900 erbauten Theaters ist in Rot und Gold gehalten und gilt mit seinen neobarocken Elementen, dem Figurenschmuck und dem roten Gestühl als einer der schönsten Theaterräume Deutschlands.
Neben der großen Bühne finden auch Veranstaltungen im MarmorSaal (1. Rang) und im RangFoyer (2. Rang) sowie im Restaurant Theaterkeller statt.

Kontakt

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Neue SchauSpielHaus GmbH
Kirchenallee 39
D-20099 Hamburg

Telefon: +49 (0)40.2 48 71-3
E-Mail: kartenservice@schauspielhaus.de

Bewertungschronik

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Bewertungen & Berichte Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Schauspiel

Die Möwe

von Anton Tschechow

Premiere: 23.1.2026

Wie nervös alle sind, so nervös!

Als junge erfolglose Künstler*innen glauben sie, alle Konventionen sprengen zu können und verlieren – endlich erfolgreich – den Glauben an ihre Arbeit. Sie wollen ein bedeutendes Leben führen in den Zentren der Welt und arrangieren sich tapfer in der Provinz. Sie wollen die Gesellschaft erneuern und werden von sich selbst enttäuschte Schauspieler*innen, Lehrer*innen oder Verwalter*innen. Sie suchen die eine, die große Liebe und heiraten schließlich leidenschaftslos eine andere. Fast alle Figuren, die Anton Tschechow in »Die Möwe« versammelt, sind irgendwo angekommen. Aber niemand dort, wo er oder sie eigentlich einmal hinwollte. Sie bilden einen Reigen unglücklich liebender, grandios oder kleinlaut scheiternder Menschen. Es ist eine Tragödie, es ist eine Komödie.

Die Regisseurin Yana Ross inszeniert zum ersten Mal in Hamburg. Seit ihrer frühesten Kindheit führt die Kosmopolitin ein für ihr künstlerisches Schaffen fruchtbares Nomadenleben: In Moskau als Kind einer ukrainisch-polnisch-jüdischen Familie geboren, aufgewachsen im Baltikum und den USA, lebt und arbeitet sie seither in verschiedenen Ländern Europas. Zuletzt gehörte sie fünf Jahre zum Leitungskollektiv des Schauspielhauses Zürich. Immer wieder aufs Neue sucht sie die Texte Anton Tschechows auf: Kein anderer Autor sequenziere die DNA der menschlichen Seele so präzise wie er. Gemeinsam mit dem Ensemble taucht sie tief in das Original ein, befragt Tschechows Dramatik nach den persönlichen Bezugspunkten und schreibt sie in die Gegenwart fort.

Aus dem Russischen von Elina Finkel in einer Bearbeitung von Yana Ross

Regie: Yana Ross
Bühne: Bettina Meyer
Kostüme: Ulrike Gutbrod
Musik: Knut Jensen
Licht: Susanne Ressin
Dramaturgie: Matthias Günther

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Schauspiel

alphabet

von Inger Christensen

Uraufführung: 6.3.2026
Aus dem Dänischen von Hanns Grössel

„Wann immer einen die Dinge erschreckten, sei es eine gute Idee, sie zu vermessen.“ (Alexander von Humboldt)

Das sprachmagische Welt-Gedicht »alphabet« der dänischen Dichterin Inger Christensen gilt vielen Künstler*innen und Kritiker*innen als eine der innovativsten und bedeutendsten Dichtungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts.

In einer Schaffenskrise beginnt die studierte Naturwissenschaftlerin eine Aufzählung von alltäglichen Wahrnehmungen und einfachen Dingen des Lebens: Aprikosenbäume, Brombeeren, Chromstahl, Dunst, Dioxin, Elche, Essig, Fehler (darunter grobe und systematische und zufällige), Grenzen, Halbschatten, Heerscharen … Sie ordnet diese Begriffe und Gedanken auf leeren Papierbögen alphabetisch an, um sich der Welt neu zu vergewissern. Ausgehend vom „Aprikosenbaum“ des Anfangs, entsteht in einer immer weiter ausgreifenden Bewegung eine einzigartige Folge von Wörtern, Gedanken, Bildern, Ideen – so, als würde die Welt das erste Mal benannt und erschaffen.

Die Zeilenanzahl des so entstehenden Planeten-Portraits unterwirft Christensen dem mathematischen Gesetz der Fibonacci-Sequenz, die in der Natur auch in Schneckenhäusern, DNA-Spiralen und dem Andromeda-Nebel vorkommt: 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55 … bis in die Unendlichkeit. Ein Versuch, gegen den Tod anzuschreiben. Christensen feiert die Schönheit all dessen, was wir über die Natur wissen, und beschreibt zugleich das Entsetzen über all das, was wir auch wissen: über die Verderbnis der Schönheit, ihren Verfall ins Unbeherrschbare und Zerstörende. Und inmitten alldem steht die entscheidende Frage: „Warum sind wir hier?“ Wie passen wir Menschen in dieses Ordnungssystem? Denn kurz nach dem Buchstaben M bricht die strenge alphabetische Ordnung dann auch plötzlich ab …

Der Schweizer Theaterkünstler Thom Luz nimmt sich dieses Jahrhundertgedicht vor, um es erstmals auf einer Theaterbühne in ein von Musik durchdrungenes Klangbild zu verwandeln – verspielt und traurig, flüchtig, voll von leisem Humor und magisch schönen Theaterbildern. Er kehrt damit nach seinem Kafka-Abend »Die acht Oktavhefte« zurück ans SchauSpielHaus.

Regie und Bühne: Thom Luz
Mitarbeit Bühne: Malte Knipping
Kostüme: Sophie Leypold
Musikalische Leitung: Peter Conradin Zumthor
Licht: Jan Vater
Dramaturgie: Judith Gerstenberg

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Schauspiel

Das Bildnis des Dorian Gray

von Oscar Wilde

Premiere: 20.3.2026

Das Schulterzucken ist zurück. Klimakrise, soziale Ungleichheit, politische Instabilität – man kennt den Abgrund, doch statt Widerstand dominieren Weltverdrossenheit, hemmungslose Selbstinszenierung, Ironie und die Feier der schönen Dinge. Was ist da los? Vielleicht bietet Oscar Wildes Kultroman eine Antwort. »Das Bildnis des Dorian Gray« besticht durch hinreißende Eleganz – das Buch ebenso wie seine Titelfigur, zumindest auf den ersten Blick. „Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol. Wer unter die Oberfläche geht, tut es auf eigene Gefahr“, warnt Wilde in der Vorrede seines Romans. Genau darum geht es: um das Abtauchen zwischen die Zeilen, hinter die Worte. Was lässt sich dort entdecken?

Bleibt Hemmungslosigkeit wirklich ohne Konsequenzen? Oder wie ist es zu deuten, dass Dorian Gray so schamlos seinen Weg geht? Warum hat er seinen moralischen Kompass verloren? Ist er – über die Zeiten hinweg – eine Spiegelfigur unserer Gegenwart, die mehr über unsere eigenen Begierden verrät, als uns lieb ist? Der Maler des Porträts jedenfalls will das Bild nicht ausstellen: „Ich habe zu viel von mir selbst hineingebracht“, sagt er. Was lässt ihn zögern? Und was ist es, das diesem Werk seine unheimliche Zeitlosigkeit verleiht?

Tristan Linder studierte Schauspielregie an der Theaterakademie Hamburg. Mit seiner Inszenierung »Sandmann« ist er 2025 zum Körber Studio Junge Regie eingeladen. »Das Bildnis des Dorian Gray« ist seine erste Arbeit am SchauSpielHaus.

Regie: Tristan Linder
Bühne: Anna Satu Kaunisto
Kostüme: Lena Rickenstorf
Musik: Alexander Schweiß
Licht: Björn Salzer
Dramaturgie: Matthias Günther

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© Lalo Jodlbauer
Schauspiel

Das große Heft

nach dem Roman von Ágota Kristóf

Zwei Brüder, Zwillinge, werden aus der Stadt zu ihrer Großmutter aufs Land gebracht. Es ist Krieg, die Stadt wird bombardiert. „Ich werde euch zeigen, wie man lebt!“, sagt ihre Großmutter, die im Dorf allgemein „die Hexe“ genannt wird. Ihre beiden Enkel nennt sie „Hundesöhne“ – Zuneigung und Zärtlichkeit können die Kinder von ihr nicht erwarten. Nahezu auf sich allein gestellt, müssen sie lernen, wie man in einer Welt der Gewalt, des Hungers und des Elends überlebt; wie man unempfindlich wird gegen psychischen und physischen Schmerz; wie man bettelt, lügt, stiehlt und tötet. Spiel gibt es nicht in dieser Welt; alles ist Training für den Ernstfall, für die Entscheidung über Leben und Tod. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen sammeln die Zwillinge in einem großen Heft. Ágota Kristóf erfindet dafür eine einzigartige Sprache, die sie als Autorin weltberühmt macht: Analytisch, beobachtend, kalt erzählen die Kinder ihren Alltag im Krieg. Die Gefühle, die das Erzählte auslöst, sind umso beklemmender.

Regie: Karin Henkel
Bühne: Katrin Brack
Bühnenbild Mitarbeit: Malte Knipping
Kostüme: Nina von Mechow
Musik: Arvild J. Baud
Licht: Holger Stellwag
Dramaturgie: Christian Tschirner

2 Stunden 30 Minuten, inkl. einer Pause

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© Martin Argyroglo
Schauspiel

Vampire’s Mountain

von Philippe Quesne

Wenn sich der Zukunftshorizont verdunkelt, haben Erzählungen von Vampiren Hochkonjunktur. Tatsächlich gibt es kein Volk der Erde, dem diese Geschichten fremd wären. Kein Volk der Erde, dem die Natur, die es zu beherrschen und verbrauchen lernte, nicht als Schreckgestalt wiederkehrte.

Der bildende Künstler, Szenograf und Regisseur Philippe Quesne ist ein Meister des skurril-fantastischen Bildertheaters. In vielschichtigen Partituren verwebt er ästhetische und wissenschaftliche Fragestellungen zu zarten, melancholischen und überaus heiteren Panoramen unserer Zeit, in denen das Momentum der Verwandlung stets die entscheidende Rolle spielt. Als Kopf der französischen Performancetruppe Studio Vivarium gehört er seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den erfolgreichsten europäischen Theatermacher*innen. Das von ihm von 2014 bis 2020 geleitete Pariser Théâtre Nanterre-Amandiers galt als Hotspot für neue Theaterentwürfe.

Zum ersten Mal wird er nun am Deutschen SchauSpielHaus in Hamburg inszenieren, Mitglieder des Studio Vivarium und unseres Ensembles verbinden, um mit ihnen gemeinsam den Ängsten unserer Gegenwart zu trotzen. Denn Quesnes Arbeiten sind Ausdruck einer Überlebenskunst in gefährlicher Zeitenwende. Sie fragen nach Gemeinschaftsbildung und nach unserem Umgang mit der Umwelt. Woher rührt unser Krisenbewusstsein? Woran misst die Menschheit die Realität? In immer wieder neuen Versuchen zeichnen sie die Entwicklung der Menschheitsgeschichte nach, ihre Höhenflüge und Abstürze. Jede neue Produktion versteht sich als die nächste Etappe dieses großen Lebensprojekts, das sich auch als luzides Verweisspiel mit unseren kulturellen Prägungen lesen lässt.

Und so mag der Beginn von »Vampire’s Mountain« zunächst noch bekannt erscheinen: Ein abgelegener Ort. Vereinzelte Menschen verschiedener Herkunft treffen nach und nach ein. Niemand weiß genau, wozu er oder sie gebeten ist. Gilt es eine Erbschaft anzutreten? Etwas, jedenfalls, liegt tief vergraben. Oder hat es sich bereits aus der Erde befreit? Die Ungewissheit erzeugt eine phantastische Wachheit, die langsam, aber sicher die Wahrnehmung verändert: Sehen die kahlen Berggipfel in der Ferne nicht aus wie die Zähne eines Vampirs?

Konzept, Regie, Bühne und Kostüme: Philippe Quesne
Mitarbeit Bühnenbild: Elodie Dauguet
Technische Mitarbeit: François Boulet
Mitarbeit Kostüme: Marie-Luise Otto
Licht: Annette ter Meulen
Dramaturgie: Judith Gerstenberg

1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

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© Thomas Aurin
Schauspiel

Macht

von Heidi Furre / aus dem Norwegischen von Karoline Hippe / in einer Bühnenfassung von Daniel Neumann und Patricia Camille Stövesand

„Ich weiß nicht, wo die Gewalt bleibt, wenn sie verübt worden ist. Wenn sie wie Säure ist, ätzt sie sich durch die Matratze, durchs Parkett, in den Waldboden. Dringt in Hirn und Muskeln. Wird hässlich, zieht hässliche Furchen ins Ge­sicht. Die Haut rau und grau."

Die Mittdreißigerin Liv führt in Oslo ein geordnetes Leben nach norwegischem Zuschnitt: Sie ist Mutter zweier Kinder und managt einen Haushalt in einem schönen, mit skandinavischen Desingermöbeln bestückten Einfamilienhaus zusammen mit ihrem Ehemann Terje, mit dem sie seit einigen Jahren glücklich verheiratet ist. Sie besucht Elternabende, plant Urlaub, besucht regelmäßig das Fitnessstudio und achtet akribisch auf ihr Äußeres. Auch beruflich steht sie gut da. Liv arbeitet als Pflegerin in einer Klinik und leistet auch dort täglich aufopferungsvoll Care-Arbeit außerhalb ihrer Familie. Als ein bekanntes Gesicht in ihr Leben tritt, trennt sich das Schnittmuster ihres Alltags nach und nach auf.

Der Gang zum Zahnarzt gerät plötzlich zur Herausforderung. Wenn Liv nachts von der Bushaltestelle nach Hause läuft, muss sie Terje anrufen. Überall lauern Gefühle der Angst, Wut, Schuld und Scham, die sich an ihr Leben heften und die schließlich ein Eigenleben entwickeln. Die Erlebnisse lassen sich nicht mehr in ihren Lebensentwurf integrieren. Getrieben von einer sich selbst fremd gewordenen Erinnerung, isoliert sich Liv von Terje, verweigert das Gespräch und wird so zur Außenstehenden ihrer eigenen Geschichte. In gesteigerter Wachsamkeit und unter beständiger Wiederkehr belastender Erinnerungsfragmente sowie deren Verdrängung, begleiten wir Liv, die unter stetig steigendem Leidensdruck ihren Alltag zu meistern versucht. Erst die Verbindung und der Dialog mit Livs Freundin Frances, die als Kunstprojekt Mäntel aus Resten historischer Stoffe und individueller Geschichten schneidert, bieten ihr eine Chance, den Faden wiederaufzunehmen, ihre Erinnerungen zu vernähen und die losen Enden zu verknüpfen.

Im ständigen Dialog mit Frances und Terje, der sich als Angehöriger auf seine eigene Reise begibt, um Liv zu unterstützen, entspannt die Aufführung vor unseren Augen subjektiv und gesellschaftlich verflochtene Erzählschichten, die Liv unter großer Anstrengung von einem Flickenteppich in ein kohärentes Ganzes zu verweben versucht, um die Deutungshoheit über ihr Leben zurückzuerlangen. »Macht« ist nicht nur ein eindringliches Portrait eines aus den Fugen geratenen Lebens im Angesicht von Gewalt, sondern steht exemplarisch für viele und entfaltet seine Kraft als Anklage gegen das gefährdete Leben von Frauen nicht nur in der norwegischen Gesellschaft.

Heidi Furre, geboren 1985, hat bereits mehrere Romane veröffentlicht. »Macht«, ein NORLA-Empfehlungstitel 2021 (Norwegian Literatur Abroad), ist der erste, der im Dumont Verlag Köln 2023 auf Deutsch erscheint. Die Aufführungsrechte sind durch schaeferphilippenTM Theater und Medien GbR Köln vermittelt. Heidi Furre arbeitet als Fotografin und Autorin. Sie lebt in Oslo.

Regie: Patricia Camille Stövesand
Bühne: Ruby Heimpel
Kostüme: Carlotta Marmuth
Musik: Merlin Gebhard
Choreografie: Juri Jaworsky
Dramaturgie: Daniel Neumann

1 Stunde, keine Pause

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© Thomas Aurin
Schauspiel

A Perfect Sky

ein Projekt von Falk Richter und Anouk van Dijk

Es ist nicht nur überall von „Künstlicher Intelligenz“ die Rede, in fast allen Bereichen des Lebens greift KI bereits jetzt in den Alltag ein, übernimmt Verwaltung, die Organisation des Liebeslebens, bestimmt den Soundtrack der S-Bahnfahrt, reduziert Fehler im Operationssaal und plant den Urlaub. Sie schreibt Gedichte und Bewerbungsschreiben, Kunstkritiken und Theaterstücke. Dahinter steht der Traum von der Perfektion, die Sehnsucht danach, die Lücken zu füllen, die Welt besser zu machen, sie von dem zu befreien, was als „menschliches Versagen“ die Ursache für Missverständnisse, Ärgernisse, Anstrengung und Schmerz ist. Neben diesem Siegeszug des Tempos, der Genauigkeit, der Präzision wirkt der menschliche Körper seltsam zerbrechlich und schwach, unvollkommen in seiner Vergänglichkeit, seinem Altern, seiner Müdigkeit. Aber liegt darin nicht genau darin das, was Menschen unkopierbar macht: das Zögern, die Unberechenbarkeit des Gefühls und die Kraft Veränderung zu denken?

In ihrer neuen Kollaboration gehen der Autor und Regisseur Falk Richter und die Choreografin Anouk van Dijk diesem Gegensatz auf die Spur. Der Triumph der Maschinen fällt in eine Zeit, in der es immer schwieriger zu werden scheint, zusammen zu sein, die Einsamkeit zu überwinden. Richters und van Dijks neues Stück erzählt von Zerbrechlichkeit und Fragmentierung, von Roboterromantik und analoger Sehnsucht, von der Liebe im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit.

Falk Richter ist einer der wichtigsten Autoren in Deutschland, seine Stücke, die er oft selbst inszeniert, wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Er arbeitet regelmäßig am SchauSpielHaus, nach dem Erfolgsstück »Freiheit einer Frau« kehrt er nun mit »A PERFECT SKY« ans Schauspielhaus zurück. Mit Anouk van Dijk verbindet ihn eine lange Arbeitspartnerschaft, die mit »Nothing hurts« (1999) in Hamburg begann. Gemeinsam entwickelten sie zahlreiche Arbeiten für die Berliner Schaubühne, das Düsseldorfer Schauspielhaus, die Münchner Kammerspiele.

Text und Regie: Falk Richter
Choreografie: Anouk van Dijk
Bühne: Wolfgang Menardi
Dramaturgie: Ludwig Haugk

1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause

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© Just Loomis
Schauspiel

Hamlet

von William Shakespeare

aus dem Englischen von Heiner Müller, Mitarbeit Matthias Langhoff / unter Verwendung von Heiner Müllers »Hamletmaschine«

Europa 1601, zwei Jahre vor dem Tod Königin Elisabeths, häufen sich die Anzeichen des nahen Endes einer glücklichen Epoche. Shakespeares Gönner, ein Liebhaber der Königin, wird hingerichtet, sein Vater stirbt, ebenso sein Sohn, der Hamnet hieß. Ein Einschnitt, eine Epochenschwelle, William Shakespeare schreibt »Hamlet« und stößt in eine neue Dimension vor, jenseits aller bekannten Genres.

Kein Stück hat so viele widersprüchliche Deutungen provoziert. Der Autor versetzt seinen Helden und das Publikum in eine besondere Art Unwissenheit: ein ultimatives Nicht-Wissen, nicht Entscheidungsschwäche oder Zögerlichkeit, vielmehr Unentscheidbarkeit in den entscheidenden Fragen, ein Nicht-Wissen, dem man nicht entrinnen kann, das alles in Frage stellt. So irritiert und fasziniert »Hamlet« durch die Jahrhunderte hindurch Leser*innen und Publikum. Ein „Geist“ tritt auf, ist ihm zu trauen? Die Verworfenheit des aktuellen Herrschers ist offensichtlich – aber was sind die Konsequenzen? Die dunklen Flecken in der Geschichte der Väter bleiben dunkel. Wo wird Wahrheit gespeichert, wenn es keinen „Geist“ gibt?

Heiner Müller verfolgt in seinem grandiosen Kurzdrama »Hamletmaschine« die Figur Hamlet durch die verheerende Geschichte des 20. Jahrhunderts. Shakespeares Stück selbst, schreibt er, „ist der Versuch, eine Erfahrung zu beschreiben, die keine Wirklichkeit hat in der Zeit der Beschreibung. Ein Endspiel in der Morgenröte eines unbekannten Tags.“

Regie: Frank Castorf
Bühne: Aleksandar Denić
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Licht: Lothar Baumgarte
Künstlerische Produktionsleitung: Sebastian Klink
Sounddesign: William Minke
Videodesign: Andreas Deinert
Live-Kamera: Andreas Deinert, Severin Renke
Live-Schnitt: Jens Crull, Maryvonne Riedelsheimer
Live-Cueing: Rebecca Dantas
Live-Tonangler: Michael Gentner, Jochen Laube
Dramaturgie: Ralf Fiedler

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© Maris Eufinger
Performance

Bodies under Water

Lecture / Eine hydrofeministische Transformation / von Annalisa Engheben

Unter Wasser funktionieren Körper anders als an Land, hier gelten andere Regeln, physikalisch, ökologisch, sozial. Vielleicht liegt hier, losgelöst von den terrestrischen Fesseln des territorialen Denkens, auch eine Utopie verborgen, die uns Patriarchat und die Dominanz einer männlich geprägten Sicht auf die Welt vergessen lässt... Seit Jahrhunderten existiert eine Gemeinschaft von Frauen in Japan, die nach Seeohren tauchen. Inspiriert von diesen Expertinnen taucht Annalisa Engheben zusammen mit Schauspieler*innen in die Tiefsee des MalerSaals ab auf der Suche nach der hydrofeministischen Avantgarde und Ideen, die es lohnt, mit an Land zu bringen.

Regie: Annalisa Engheben
Dramaturgie: Ludwig Haugk

1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

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© Maris Eufinger
Schauspiel

ATLAS

Ein Bühnenessay in Kooperation Calle Fuhr mit CORRECTIV

Spätsommer 2019 – »Fridays for Future« füllt wöchentlich die Straßen. Bei der Europawahl wird „das Klima“ wahlentscheidend. Die ganze Welt spricht plötzlich von der 2-Grad-Grenze, von planetaren Kipppunkten und der globalen Transformation.

Fünf Jahre später. Das Klima ist aus den Schlagzeilen weitestgehend verschwunden. Über Katastrophen wird zwar noch berichtet – etwa von der Flut im Ahrtal, den Dürren in Brandenburg und dem Hochwasser in Süddeutschland. Doch bei der Europawahl 2024 und auch bei den Landtagswahlen spielt die Klimakrise kaum noch eine Rolle. Die wöchentlichen Proteste sind verschwunden oder lokal geworden. Einerseits spüren wir die Auswirkung der Erderwärmung inzwischen quasi täglich, andererseits ist der politische Diskurs mit neuen Themen besetzt. Wie kann das sein? Dieser Frage haben sich die Klima-Redaktion von CORRECTIV, der Autor und Regisseur Calle Fuhr und das Produktionsteam des Deutschen SchauSpielHauses gestellt. Die Antwort haben wir dabei nicht gefunden, dafür ist die Lage zu komplex. Doch in unserer Recherche sind wir auf ein Netzwerk aus Klimaleugner*innen und
Klimazweifler*innen gestoßen, über das bislang kaum erzählt wurde: Das »Atlas Network«. Hier tummeln sich Trump-Supporter*innen Rechtspopulist*innen und Menschen, die scheinbar der politischen Mitte angehören. Über gezielte PR-Kampagnen, über Studien, die von „fossilen“ Konzernen finanziert werden und über das systematische Streuen von Zweifeln haben Think-Tanks, Lobbyverbände und private Institute einen gewaltigen Beitrag geleistet, die Klimakrise aus der Öffentlichkeit zu drängen. Deswegen erzählen wir an diesem Abend darüber, wie dieses Netzwerk funktioniert, wer in Deutschland beteiligt ist und wie es wieder möglicher werden könnte, der Klimagerechtigkeit einen Schritt näher zu kommen.

Calle Fuhr hat zuletzt mit Arbeiten zum Immobilienmogul René Benko und zum Großkonzern LEAG auf sich aufmerksam gemacht. »ATLAS« ist seine erste Arbeit am SchauSpielHaus.

Regie: Calle Fuhr
Bühne: Julia Oschatz
Kostüme: Jana Sophia Schweers
Video: Marcel Hein
Dramaturgie: Ralf Fiedler

1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

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© Maris Eufinger
Schauspiel

Zur Person: Hannah Arendt

LECTURE

1964 gibt Hannah Arendt dem noch jungen Journalisten Günter Gaus ein Interview, das inzwischen legendär ist. Arendt begegnet ihrem sanften Gegenüber mit der gnadenlosen Präzision ihrer Intellek tualität. Immer wieder kommt sie auf den Schock von 1943 zu sprechen, als sie, inzwischen im US-amerikanischen Exil, von der „Fabrikation der Leichen“ (Arendt) in Auschwitz erfuhr. Ein Schock, aus dem ihre politische Theorie des Begreifens erwuchs: „Begreifen bedeutet, sich aufmerksam und unvoreingenommen der Wirklichkeit, was immer sie ist oder war, zu stellen und entgegenzustellen.“ Es ist dies ein Entgegenstellen, das, 2025, immer schwieriger zu werden droht. Nicht nur, weil der Wille genau hinzuschauen schwindet, sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Erinnern an Wirklichkeit, die immer auch Vergangenheit ist, schwindet. Julia Wieninger erweckt in diesem Re-Enactment die große Hannah Arendt einen Abend lang zum Leben.

Konzept: Julia Wieninger, Martin Györffy
Bühne: Julia Oschatz
Kostüme: Jana Sophia Schweers
Licht: Björn Salzer
Mit: Julia Wieninger, Michael Weber

1 Stunde 10 Minuten, keine Pause

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Schauspiel

Die Schattenpräsidentinnen

Oder: Hinter jedem großen Idioten gibt es sieben Frauen, die versuchen, ihn am Leben zu halten.
von Selina Fillinger / Deutsch von Nico Rabenald

Ein Tag extremer Herausforderungen in der Stabsstelle des Präsidenten: internationale Krisensitzungen, ein handfester Presseskandal, der eingedämmt werden muss, einander überlagernde Termine, die unverschiebbar sind und ein anstehender Wahlkampf. Alle Hände voll zu tun also für die Büroleiterin, die Pressechefin, die Sekretärin und die First Lady, zumal der Präsident selbst ausfällt. Zu allem Überfluss schlagen im Büro noch auf: die schwangere Geliebte des Chefs aus der Provinz und seine aus der Haft entlassene Schwester mit Drogenproblemen und eine investigative Journalistin mit Heißhunger auf brisante Details.

Wenn es stimmt, dass Komödien dazu da sind, die Fehler im System zuzuspitzen, um die Wirklichkeit zu erhellen, dann ist die Farce der US-amerikanischen Autorin Selina Fillinger ein Paradebeispiel für dieses Genre. Aber ihr Broadway-Debüt treibt nicht nur die groteske Überforderung des Politikbetriebs auf die Spitze, sondern ist zugleich ein Angriff auf das Patriarchat mit den Mitteln der Farce.

Die Komödie für sieben Frauen bringt Claudia Bauer zur deutschsprachigen Erstaufführung. Sie inszeniert regelmäßig am Münchner Residenztheater, am Schauspiel Leipzig, am Volkstheater Wien. Ihre Arbeiten wurden mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Für ihren gefeierten Jandl-Abend »humanistäää« erhielt sie 2022 den NESTROY-Preis.

Regie: Claudia Bauer
Bühne: Andreas Auerbach
Kostüme: Vanessa Rust
Musik: Peer Baierlein
Licht: Susanne Ressin
Video: Riccarda Russo
Dramaturgie: Christian Tschirner, Ludwig Haugk

Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, Keine Pause

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© Thomas Aurin
Schauspiel

Ein Sommer in Niendorf

von Heinz Strunk

Gut situiert, gut angezogen, gut aufgestellt – so tritt er auf, der Jurist Dr. Georg Roth. Jetzt träumt er davon, ein bejubelter Autor zu sein. Er nimmt eine Auszeit, um ein Buch zu schreiben. Die Wahl des Ortes fällt auf Niendorf, Teil des Timmendorfers Strands. Einst Treffpunkt der berühmten Schriftstellergruppe 47 scheint der unglamouröse Badeort genau die richtige Wahl. Drei Monate gibt er sich Zeit, nicht mehr. Doch bald schon stockt der Schreibprozess. Dem Juristen begegnen allerlei dämonische Figuren, kleinbürgerliche oder proletarische, die ihn abstoßen und zugleich in ihren Bann schlagen. Das Buchprojekt jedenfalls tritt immer mehr in den Hintergrund. Und der Sommer in Niendorf beginnt Dr. Roths Leben zu verschlingen.

Heinz Strunks Roman wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert. Sein »Sommer in Niendorf«, hieß es, sei ein moderner »Zauberberg«. Und wenn Thomas Manns Zauberberg vor allem ein Ort ist, wo die Zeit anders verläuft, verfließt und vergeht, so geschieht Gleiches in Strunks Niendorf: Die berauschende Wirkung der Höhenluft wird in dem norddeutschen Badeort freilich durch ausgiebigen Alkoholkonsum erzielt.

Auf die Bühne gebracht wird der Roman von Studio Braun – natürlich unter Beteiligung des Gründungsmitglieds und Autors Heinz Strunk.

Regie: Studio Braun
Bühne: Stephane Laimé
Kostüme: Dorle Bahlburg
Musik: Studio Braun, Sebastian Hoffmann
Video: Meika Dresenkamp
Choreografie: Rica Blunck
Licht: Rebekka Dahnke
Dramaturgie: Christian Tschirner
Band: Sebastian Hoffmann (Musikalische Leitung / Posaune), Lieven Brunckhorst (Saxophon), Ali Busse (Bass), Jens Carstens (Schlagwerk), Taco van Hettinga (Keyboards), Sönke Rust (Gitarren)

2 Stunden 10 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

Die Maschine oder: Über allen Gipfeln ist Ruh

von Georges Perec und Johann Wolfgang von Goethe
aus dem Französischen von Eugen Helmlé

Der französische Autor Georges Perec zählt zu den bedeutendsten und innovativsten des 20. Jahrhunderts. Jeder seiner Romane folgt einem anderen formalen Konzept – fast alle genießen Kultstatus. 1968 schrieb er im Auftrag des SR/WDR ein Hörspiel, in dem eine Maschine die Aufgabe hat, ein Gedicht zu analysieren. Perec, dessen Vater im Krieg gegen die Deutschen fiel und dessen Mutter vermutlich in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde, wendet Techniken der Informationstheorie und Programmiersprache ausgerechnet auf das wohl berühmteste deutsche Naturgedicht an: »Wandrers Nachtlied« von Johann Wolfgang von Goethe. In Perecs Hörstück kommunizieren keine Menschen sondern Schaltkreise. Was dabei allerdings zu Tage tritt, ist nicht nur die analytische Arbeitsweise künstlicher Intelligenz – überraschenderweise offenbart sich in der sprachlichen De- und Rekonstruktion des Gedichts auch die Funktionsweise von Poesie. Und damit gerade die Differenz zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz. Die abstrakte Analyse der Maschine zaubert aus dem goetheschen Achtzeiler in streng formaler Ordnung immer neuen Sinn und Unsinn, immer neue semantische Schönheiten und Absurditäten hervor.

Die preisgekrönte Regisseurin Anita Vulesica, die mit »Die Maschine« ihr Debüt am Deutschen SchauSpielHaus gibt, geht in ihrer Inszenierung noch einen Schritt weiter: Bei ihr arbeitet die künstliche Intelligenz der Maschine, indem sie nach dem Wesenskern menschlicher Poesie sucht, an der Rettung der Menschen vor sich selbst und einer alles beherrschenden instrumentellen Vernunft.

Regie: Anita Vulesica
Bühne: Henrike Engel
Kostüme: Janina Brinkmann
Musik: Camill Jammal
Körperarbeit & Choreographie: Mirjam Klebel
Dramaturgie: Christian Tschirner

1 Stunde 30 Minuten

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Schauspiel

Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten

von Christoph Marthaler mit Texten von Friedrich Hölderlin
Teil 1 der Triologie

„Wie war denn ich? War ich nicht wie ein zerrissen Saitenspiel? Ein wenig tönt ich noch, aber es waren Todestöne.“
Hölderlin, »Hyperion«

Es gibt neben dem Dichtergenie und neben dem Wahnsinnigen auch einen fast alltäglichen Hölderlin, der mit den Widersprüchen des Daseins kämpft, der sein Leben nicht im Griff hat und in seiner Verzweiflung Dinge zu Papier bringt, die uns in ihrer schlichten wenn auch manchmal paradoxen Einfachheit auf eine fast selbstverständliche Weise ansprechen und fesseln. Kein hoher Ton, keine Huldigung an das alte Griechenland und seine Götter und Held*innen sondern profanes Leiden, Ratlosigkeit und Überanstrengung sind dann seine Themen, trübe, voller Selbstzweifel und angewidert von den dumpfen Verhältnissen und stumpfen Mitmenschen und der Einsicht, selber auch nicht unbedingt besser zu sein. Auf der B-Seites des Lebens macht Hölderlin z. B. die Erfahrung, dass eine junge Dame (nicht Diotima), es ablehnt ihn zu heiraten. Er notiert dies sofort auf dem gleichen Blatt, auf dem er gerade noch eine seiner bedeutendsten Hymnen (»Mnemosyne«) entworfen hat:, „Und ledig soll ich bleiben“, und schickt gleich eine kleine Drohung an die Unwillige hinterher: „Leicht fanget aber sich, in der Kette, die es abgerissen, das Kälblein.“

Oder gegen die ihm nicht unbekannte Euphorie des Dichters, die Gefahr abzuheben und den Boden unter den Füßen zu verlieren, schreibt er: „Man kann auch in die Höhe fallen, so wie in die Tiefe“, nämlich dann, wenn man die Nüchternheit verliert, die für jeden unterschiedlich die „Grenze deiner Begeisterung“ markiert. Hölderlins Werk, zumindest ab 1794, beschäftigt sich intensiv auch mit profanen Lebensfragen, die ihn ganz persönlich quälten. Er war nicht nur der heroisch leidende Dichter, er war auch einfach eine arme Kreatur, die litt, „weil sich ein Traum sich mir nicht erfüllte“ und die sich fragte, „was ist mir fehlgeschlagen?“. Hölderlin wusste, dass seine Oden, seine Hymnen und Gesänge zwar sehr ernst waren, aber so ernst auch wieder nicht. Das Leben selbst jedenfalls war noch viel ernster als etwa sein perfekt gelungenes Gedicht wie »Hälfte des Lebens«. Und seine dichterische Hochbegabung war immer nur ein schwacher Trost, zumal wenn Goethe und Schiller mit allerlei unverschämten Invektiven in konzertierter Aktion versuchten ihn kleinzuhalten, womit sie ihn zwar als ernsthaften Konkurrenten anerkannten, aber auch an seinem gesellschaftlichen und ökonomischen Ruin beteiligt waren, den er allerdings hauptsächlich seiner „geizigen“ Mutter zu verdanken hatte, die ihn von dem ihm eigentlich zustehenden Erbe fernhielt. Selbst als er nach seinem Rausschmiss aus dem Bankhaus Gontard in Frankfurt und der damit verbundenen Trennung von seiner Geliebten zu seinem besten Freund Isaac von Sinclair nach Bad Homburg zog, musste er feststellen, dass er dessen vermeintlich reine und exklusive Zuneigung, die starke homoerotische Züge trug, mit einem ganzen Haufen „auffallender Gestalten“ zu teilen hatte, die Sinclair (Alabanda im »Hyperion«) ihm lange verschwiegen hatte. „Mir war wie eine Braut, wenn sie erfährt, dass ihr Geliebter insgeheim mit einer Dirne lebe.“

Die B-Seite des Lebens bringt immer wieder ungeahnte Höhepunkte hervor. Das sieht man in der Musikindustrie, wo die eigentlichen Meisterwerke oft auf der B-Seite zu finden sind, und genauso schon bei Hölderlin, der schrieb, zur „wahrsten Wahrheit“ gehöre auch der Irrtum. Und der auch dem „Inferioren“ und sogar dem „Barbarischen“ einen legitimen Platz zugestand, zumindest in der Sprache der Poesie, die ihm gleichzeitig zuwider war. „Ich kann meine Sprache nicht mehr ertragen, ich wollte lieber ein Ton sein, im Himmelsgesang.“

Im profanen Scheitern, in den kleinen und großen Fehlschlägen, aber auch in Hirn zermarternden Denkanstrengungen, denen kein Paradox fremd ist, bewegen sich »Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten« in Christoph Marthalers Hölderlinbetrachtung, tapfer, ergeben und verschwindend, übergehend in Töne, in Musik. Sie wirken wie Illustrationen der Klagen des Dichters, aber sie sind keine Illustrationen, sie sind einfach. „Wir wohnen hier unten einsam und arm, wie der Diamant im Schacht.“

Um diese so gegenwärtige Erfahrung der sozialen Distanz und der Abkapselung selbst zu machen, brauchen wir keine Corona bedingte Isolation, wir brauchen nur ein bisschen Hölderlin. Oder anders ausgedrückt: Die Coronaregeln formulieren ein Extrem, das für Hölderlin ein ganz unvermeidlicher Teil moderner Tragik ist. „Das ist das Tragische bei uns, dass wir ganz still in irgendeinen Behälter eingepackt, vom Reich der Lebendigen hinweggehen, nicht, dass wir in Flammen verzehrt, die Flammen büßen, die wir nicht zu bändigen vermochten.“

Ich glaube, Christoph Marthalers freundlicher Sarkasmus und Friedrich Hölderlins „in die Höhe Fallen“ passen ganz gut zusammen, und auch ein „zerrissen Saitenspiel“ ist zu schönen Tönen fähig.

(Carl Hegemann, Hamburg, 29/11/2020)

Regie: Christoph Marthaler
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Annette ter Meulen
Idee und künstlerische Beratung: Carl Hegemann
Dramaturgie: Malte Ubenauf
Viola da Gamba: Martin Zeller
Klavier und Clavichord: Bendix Dethleffsen

Koproduktion mit dem Schauspielhaus Zürich und der Akademie der Künste Berlin / gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds

Dauer: 1 Stunde 25 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

Im Namen der Brise

von Christoph Marthaler mit Texten von Emily Dickinson
Teil 2 der Triologie

Gerade einmal sieben von Emily Dickinsons mehr als 1700 Gedichten wurden zu ihren Lebzeiten veröffentlicht. Und auch nach dem Tod der amerikanischen Dichterin 1886 konnte nur durch eine Mischung aus Zufall und Glück verhindert werden, dass ihr Nachlass verbrannt und der Menschheit damit eine Welt vorenthalten worden wäre. Denn Gedichte von Emily Dickinson sind mehr als Beschreibungen, dessen was ist, sie bauen mit einfachen, kleinen Bewegungen etwas Neues. Die winzigen Ausschnitte der sichtbaren Welt, die sie aus den Fenstern ihres Hauses in Amherst/Massachusetts beobachtete, verwandelte Dickinson in einzigartige Weltliteratur. In seiner neuen Arbeit begegnet Christoph Marthaler Emily Dickinson und knüpft damit an den Hölderlin-Abend »Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten« an. »Im Namen der Brise« ist der zweite Teil einer kleinen kammermusikalischen Trilogie im MalerSaal über drei Autor*innen aus verschiedenen Jahrhunderten und entgegengesetzten Himmelsrichtungen, mit denen Christoph Marthaler sich auf seine ganz eigene Weise verbunden fühlt.

Regie: Christoph Marthaler
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Björn Salzer
Musik: Fee Aviv Dubois
Musikalische Einstudierung: Bendix Dethleffsen
Tasteninstrumente: Bendix Dethleffsen, Fee Aviv Dubois
Dramaturgie: Malte Ubenauf

Uraufführung am 14/10/2023

1 Stunde 55 Minuten, Keine Pause

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Schauspiel

Mein Schwanensee

von Christoph Marthaler mit Texten von Elfriede Jelinek
Teil 3 der Triologie

In den vergangenen Spielzeiten entwickelte Christoph Marthaler im MalerSaal zwei ungewöhnliche Abende, die auf Gedichten, Briefen und Skizzen von Autor*innen basieren, die aus unterschiedlichen Gründen den vollständigen Rückzug in Zimmer (Emily Dickinson) und Türme (Friedrich Hölderlin) wählten, um aus kleinsten Räumen größte Literatur hervorzubringen. Nach »Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten« und »Im Namen der Brise« geht es nunmehr um eher unbekannte Teile des Werks der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek, die aus ihren Wohnungen in Wien und München heraus das freidrehende Weltgeschehen seziert und unverwechselbar zur Sprache bringt. So wie die Dinge stehen, wird es alles andere als ein klassisches Ballett. Mit »Mein Schwanensee« schließt sich die Beschäftigung mit diesen weltzugewandten Weltflüchtigen nun zu einer Trilogie.

Regie: Christoph Marthaler
Bühne: Duri Bischoff
Kostüme: Sara Kittelmann
Licht: Björn Salzer
Dramaturgie: Malte Ubenauf, Judith Gerstenberg

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Performance

Tag der Bären

Eine Forschungsreise von Ana Trpenoska / In Begleitung von les dramaturx

Im Winter 2023 reist das Performance-Kollektiv les dramaturx gemeinsam mit der mazedonischen Autorin Ana Trpenoska in den nordmazedonischen Mavrovo-Nationalpark zu einer der größten freilebenden Bärenpopulationen Europas. In Nordmazedonien, EU-Beitrittskandidat, werden die Reisenden mit einer Reihe politischer, sozialer und kultureller Probleme konfrontiert. Viele der durch EU-Programme geschützten und geförderten Bären finden infolge der Klimakrise nicht mehr in ihren natürlichen Winterschlaf. Sie bleiben wach und durchstreifen auf der Suche nach Nahrung die nordmazedonischen Wälder. Trotz der höheren Temperaturen ist Nahrung für die Tiere im Winter äußerst knapp – ihre Insomnie durchbricht den natürlichen Kreislauf. Das nordmazedonische Dorf, in dem die deutschen Theatermacher*innen sehr gastfreundlich empfangen werden, wird von 20 hungrigen Braunbären belagert, deren Abschuss und/oder Vertreibung bei hoher Strafe verboten ist. les dramaturx sprechen mit Anwohner*innen, Politiker*innen, lokalen Umweltschützer*innen. Es geht um Religion, Korruption, Müllexport, Klimaschutz und das Überleben in den Ruinen des Kapitals. Ana Trpenoskas Stück beruht auf Gesprächen und Recherchen vor Ort. Auch die Situation des von zwei Dutzend Braunbären belagerten Dorfes ist ganz real. In »Tag der Bären« kollidieren westeuropäische Vorstellungen über Klima- und Artenschutz, über Zeit und Zukunft, mit den ganz realen Verhältnissen eines östlichen EU-Beitrittskandidaten.

Das Projekt »Tag der Bären« wird gefördert im Programm Zero – Klimaneutrale Kunst- und Kulturprojekte der Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Regie: les dramaturx
Bühne: Julia Oschatz
Kostüme: Jana Sophie Schweers
Musik: Thomas Leboeg
Licht: Björn Salzer

1 Stunde 15 Minuten, Keine Pause

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© Matthias Horn
1 Schauspiel

Kabale und Liebe - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

von Barbara Bürk und Clemens Sienknecht frei nach Friedrich Schiller

Und da sind sie endlich wieder. Mit einer brandneuen Folge ihrer heißgeliebten Radioshow nimmt sich die Crew von »Effi Briest«, »Anna Karenina« und den »Nibelungen« diesmal einen Top-Theater-Klassiker vor, der in der Stücke-Hitparade bis heute einen der vordersten Plätze belegt. Bei Wind und Wetter mit Sturm und Drang geht Radio Schiller im Deutschen SchauSpielHaus demnächst live auf Sendung. Für die einen „eine Jugendsünde, voll ekelhafter Wiederholungen und gotteslästerlicher Ausdrücke, voll krassen pöbelhaften Witzes und unverständlichem Geschwätz“ (Clemens Brentano und Karl Philipp Moritz), für die anderen „der alles überragende Gipfelpunkt des bürgerlichen Dramas“ (Otto Brahm) – »Kabale und Liebe« garantiert gefährliche Lieb- und Leidenschaften und zieht sämtliche Register einer gerissenen Intrige.

Theodor Fontane hat das Trauerspiel „nun wohl zwanzigmal gesehen, aber ist immer aufs Neue wie hingerissen davon. Es gibt weniges, was von der Bühne her mächtiger wirkte.“ Denn, so der Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki, „gegen Schiller scheint kein Kraut gewachsen.“

Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht
Bühne und Kostüme: Anke Grot
Dramaturgie: Judith Gerstenberg
Licht: Jan Vater

1 Stunde 50 Minuten, Keine Pause

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1 Stream

Ab jetzt

Komödie von Alan Ayckbourn

Am 25.4. und 1.5. ab 18 Uhr als Stream für 24 Stunden online

Der Komponist Jerome arbeitet besessen an einem großen zeitgenössischen Werk zum Thema „Liebe“. Sein Arbeitsprinzip ist das Sampeln und Modulieren von Alltagsgeräuschen und Sprachfetzen. Alle Räume seiner Wohnung sind mit Mikrofonen bestückt, um ununterbrochen alle Geräusche aufzeichnen zu können. Doch Jerome hat ein Problem: Seit seine Frau und Tochter ihn – nicht zuletzt wegen seines künstlerischen Abhörwahns – verlassen haben, ist sein Schaffen in eine ernste Krise geraten. Ihm fehlt jede Inspiration. Zumindest die geliebte Tochter, so Jerome, müsse er ab und an sehen, um wieder kreativ arbeiten zu können. Bisher allerdings hegen sowohl das Jugendamt als auch seine Ex berechtigte Zweifel an der sozialen Kompetenz des Künstlers. Sie weigern sich, Besuche seiner Tochter zu bewilligen. Also mietet Jerome eine Schauspielerin, die seine neue Verlobte und eine perfekte Hausfrau spielen soll…

Zurück in die Zukunft. Alan Ayckbourns 1988, vor der digitalen Revolution, geschriebene Komödie ist Science Fiction von gestern. Gemessen an dem, was uns seither an häuslicher Technik umgibt, ist es teilweise anrührend naiv. Als theatrale Versuchsanordnung zum Thema Mensch und Maschine, erlebtem Gefühl und reproduzierbarer Geste, entfaltet sie allerdings immer noch eine kaum überbietbare Situationskomik. Höhepunkt dabei ist der immer wieder um- und fehlprogrammierte Roboter GOU 300 F. Ursprünglich zum Babysitten gedacht, später aus Sicherheitsgründen aus dem Verkehr gezogen, leidet der hochkomplexe Androide an chronischer Unterbeschäftigung, da es eben kein Kind mehr zu betreuen gibt. Die mütterliche Maschine füllt diesen Leerlauf im Beschäftigungsprogramm selbständig und irrwitzig auf, indem er/sie/es in ihren/seinen mechanisierten Sprach- und Handlungsformeln Verhaltensmuster der menschlichen Umgebung kopiert. Während Jerome also all seine Lebens-und Liebesgeräusche aufzeichnet, um daraus das perfekte Kunstwerk zu komponieren, eine Schauspielerin sich bei dem Versuch, seine perfekte Geliebte zu spielen, in ihn verliebt, wird all dies wiederum von einem dysfunktionalen Roboter kopiert und karikiert…

Regie: Karin Beier
Bühne: Thomas Dreißigacker
Kostüme: Hannah Petersen
Musik: Jörg Gollasch
Licht: Holger Stellwag
Dramaturgie: Christian Tschirner

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30.04.20, 08:41, jen Toller Online-Spielplan mit technisch aufwendigen Produktionen und Mitschnitten.

Toller Online-Spielplan mit technisch aufwendigen Produktionen und Mitschnitten.

Schauspiel

Société Anonyme

von Stefan Kaegi / Rimini Protokoll

Licht an, Bühne frei! Im Theater treten Menschen ins Licht, damit das Publikum ihnen zuschauen und sich mit ihnen identifizieren kann. Aber was ist mit jenen, die das Rampenlicht scheuen? Wohin mit den Anliegen, die den Schutz der Anonymität brauchen, wie die Demokratie die Urne? Wie lässt sich die Intimität von Gesprächen nach dem Lichterlöschen ins Theater überführen? Mit geschlossenen Augen gelingt das Zuhören besser. Ob bei der Beichte, im Darkroom, im Aktiengeschäft, in Chatforen, am Telefon oder bei Stromausfall: Ohne Licht und Gesicht entsteht Raum für eine Seite der Gesellschaft, die den Glamour scheut.

In »Société Anonyme« gewährt die Dunkelheit Geschichten und Erzählenden Schutz vor Scham, Furcht und Bewertung. Von Darkweb bis Telefonseelsorge, hinter dem Schleier des Hijab oder der verdunkelten Scheibe einer Limousine, bei Whistleblowern und der Hackergruppe Anonymous … In der Dunkelkammer entwickelt sich das Bild einer anderen Stadt.

Nach »Welt-Klimakonferenz« kommt Stefan Kaegi von Rimini Protokoll zurück ans Deutsche SchauSpielHaus, um mit unsichtbaren Darsteller*innen und technisch ausgeklügelter, raumgreifender Audiotechnik das Publikum in die unterbelichteten Bereiche Premieren des Zusammenlebens mitzunehmen. Es heißt gemeinhin: „What you see is what you get.“ Aber seit Mackie Messer ist auch klar, was dabei verpasst wird: „Die im Dunkeln sieht man nicht.“

Hinweis: Dem Thema des Abends entsprechend berichtet das Stück unter anderem von rassistischen und ableistischen Diskriminierungserfahrungen, sexueller, psychischer und physischer Gewalt sowie von Suchtverhalten. Die Veranstaltung findet im Dunkeln statt und ist empfohlen für Menschen ab 18 Jahren.

Konzept und Regie: Stefan Kaegi
Musik: Arvild Baud
Raum: Aljoscha Begrich
Dramaturgie: Aljoscha Begrich, Ludwig Haugk
Mitarbeit Recherche: Morín Alejandra González Mena

Die Veranstaltung findet im Dunkeln statt und ist empfohlen für Menschen ab 18 Jahren

Dauer: 2 Stunden - Keine Pause

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Schauspiel

Eine Frau flieht vor einer Nachricht

nach dem gleichnamigen Roman von David Grossman
Deutsch von Anne Birkenhauer

Literatur und Realität – Kunst und Krieg, wenn das nicht zynisch klingt – stießen kaum je so hart aufeinander wie in David Grossmans von der Kritik gefeiertem, beeindruckenden Roman. 2006 stirbt während der Arbeit an dem Buch der jüngste Sohn des israelischen Autors bei einem Militäreinsatz in den letzten Stunden des Libanonkriegs.
Das zentrale Motiv des Buchs wiederholt sich real. Ora, die Frau, die vor einer Nachricht flieht, setzt sich in Bewegung und beginnt zu erzählen: von ihrer Liebe zu zwei Männern, die seit früher Jugend in ihrem Leben vorkommen, von Wut und Zärtlichkeit, Verzweiflung und Leidenschaft – und von ihrem Sohn Ofer, der sich freiwillig für einen Militäreinsatz im Westjordanland meldet. Ora setzt sich in Bewegung, weil sie das drohende Ereignis nicht hinnehmen will und kann. Sie versucht, den Sohn durch unaufhörliches Erinnern am Leben zu halten, das Unglück zu bannen, indem sie ihrem Jugendfreund Avram, dem biologischen Vater von Ofer, der im Sechstagekrieg selbst Soldat war, von ihrem Sohn erzählt. Sie macht sich unerreichbar für die Nachricht, die einträfe, wenn das Schreckliche geschähe. Auf Oras langer Wanderung durch Israel und die Landschaft ihrer Erinnerung begegnen wir den Söhnen, den Männern, dem Krieg und allem, was geblieben und übrig geblieben ist von drei Leben. – Der Autor und Friedensaktivist David Grossman spiegelt einen der größten Konflikte der Gegenwart in minimalistischen Erlebnissen des Alltags. In unzähligen Momenten zeigt er das Leben seiner Figuren unauflöslich mit Politik und Krieg verflochten. Paradoxerweise sind es die Kraft und Zartheit, Verletzbarkeit und Offenheit seiner Sprache, seine besondere Art zu erzählen, die erst das Mörderische in seiner umfassenden Gewalt spürbar machen.
Dušan David Pařízek hat bereits Grossmans Roman »Kommt ein Pferd in die Bar« für die Salzburger Festspiele zu einer erfolgreichen und vielerorts gezeigten deutschsprachigen Erstaufführung gebracht. Am Deutschen SchauSpielHaus ist von ihm derzeit seine Bühnenadaption des Romans »Trutz« von Christoph Hein zu sehen.

Ute Hannig wurde für ihre Darstellung der "Ora" mit dem Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares 2020 ausgezeichnet.

Regie und Bühne: Dušan David Pařízek
Kostüme: Kamila Polívková
Licht: Rebekka Dahnke
Dramaturgie: Ralf Fiedler

Dauer: 2 Stunden 10 Minuten, Keine Pause

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Führung

Alles auf Anfang!

Eine interaktive Führung durch das SchauSpielHaus

Folgen Sie uns in die geheimen Winkel des SchausSpielHauses, wo die Vergangenheit lebendig und seine besonderen Geschichten aus 125 Jahren erzählt werden. Tumulte und Beifallsstürme, Finanzskandale und Kassenschlager, Zensur und Grenzüberschreitung, Rock und Antike, Damencatchen und West Side Story, es gibt nichts, was das Schauspielhaus nicht schon erlebt hätte. Aber es galt immer: „Alles auf Anfang und bitte!“

Buchungsanfragen für Schulklassen ab Jahrgang 8 unter: marie.petzold@schauspielhaus.de

Leitung: Marie Petzold

Treffpunkt Haupteingang

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Führung

Blick hinter die Kulissen

Führung durch das SchauSpielHaus

Schauen Sie hinter die Kulissen bei einer Führung durch das SchauSpielHaus!

Staunen Sie über das organisierte Chaos in der Requisite, spüren Sie dem Lampenfieber in den Künstlergarderoben nach, genießen Sie den einmaligen Blick in den Zuschauerraum und lassen Sie sich den gigantischen Kostümfundus zeigen. Außerdem gibt es eine nicht ganz alltägliche Tischlerei und den einmaligen Malsalon unter dem Dach zu sehen.

Treffpunkt Haupteingang

Dauer: 1 Stunde 20 Minuten

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1 Online

Virtueller Rundgang

Besuchen Sie das Schauspielhaus auf einem 360°-Rundgang im Internet.

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Bewertungen & Berichte Virtueller Rundgang

30

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Neue SchauSpielHaus GmbH

Das Schauspielhaus ist die Hauptspielstätte. Der Zuschauerraum des von dem berühmten Architektenpaar Hermann Helmer und Ferdinand Fellner d. J. 1899/1900 erbauten Theaters ist in Rot und Gold gehalten und gilt mit seinen neobarocken Elementen, dem Figurenschmuck und dem roten Gestühl als einer der schönsten Theaterräume Deutschlands.

Neben der großen Bühne finden auch Veranstaltungen im MarmorSaal (1. Rang) und im RangFoyer (2. Rang) sowie im Restaurant Theaterkeller statt.

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Bewertungen & Berichte Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Aufführungen / Oper Opernhaus Zürich Zürich, Sechseläutenplatz 1
Aufführungen / Oper Wiener Staatsoper Wien, Opernring 2
Aufführungen / Oper Staatsoper Hannover Hannover, Opernplatz 1
Aufführungen / Aufführung HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Karl-Liebknecht-Str. 56
Aufführungen / Theater Theater Münster Münster, Neubrückenstraße 63
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Tumblingerstraße 29
Aufführungen / Oper Staatstheater Kassel Kassel, Ludwig-Mond Str. 35D
Aufführungen / Theater Vorarlberger Landestheater Bregenz, Seestr. 2
Aufführungen / Theater Theater im Pfalzbau Ludwigshafen Ludwigshafen, Berliner Str. 30
Aufführungen / Theater Theater Konstanz Konstanz, Inselgasse 2-6
Aufführungen / Theater Deutsches Schauspielhaus Hamburg Hamburg, Kirchenallee 39
Aufführungen / Oper Staatsoper Stuttgart Stuttgart, Oberer Schloßgarten 3
Aufführungen / Oper Semperoper Dresden Dresden, Theaterplatz 2
Aufführungen / Theater Comödie Lübeck
Aufführungen / Oper Komische Oper Berlin im Schillerttheater Belin
Aufführungen / Theater Uckermärkische Bühnen Schwedt
Aufführungen / Theater Theater im Palais Berlin
Aufführungen / Kabarett Die Wühlmäuse Berlin
Aufführungen / Neue Musik Gare du Nord Basel
Konzerte / Konzert Tonhalle Düsseldorf Düsseldorf, Ehrenhof 1
Literatur+Sprache / Kulturveranstaltung Literaturhaus Salzburg Salzburg, Strubergasse 23
Ereignisse / Festspiele Salzburger Festspiele 17.7. bis 30.8.2026
Familie+Kinder / Konzert Philharmonie Luxembourg Luxembourg, 1, Place de l'Europe
Konzerte / Konzert Philharmonie Luxembourg Luxembourg, 1, Place de l'Europe
Ereignisse / Festspiele Salzburger Pfingstfestspiele 22. bis 25.5.2026
Konzerte / Konzert Wiener Konzerthaus Wien, Lothringerstraße 20
Ereignisse / Festspiele Mozartwoche Salzburg 22.1. bis 1.2.2026
Ereignisse / Tanz Tanztheater Wuppertal Pina Bausch Opernhaus Wuppertal
Konzerte / Konzert Duisburger Philharmoniker Duisburg, König-Heinrich-Platz
Konzerte / Konzerthaus Elbphilharmonie Hamburg Hamburg, Platz der Deutschen Einheit 4
Konzerte / Konzert Festival Strings Lucerne Luzern, Dreilindenstr. 89
Ereignisse / Musical Chormusical
Judith
Mitsingen beim Chormusical
Ereignisse / Musical Chormusical
7 Worte vom Kreuz
Mitsingen beim Chormusical
Ereignisse / Festspiele Bad Hersfelder Festspiele 26.6. bis 16.8.2026
Ereignisse / Festival Gandersheimer Domfestspiele 14.6. bis 16.8.2026
Ereignisse / Festival Wiener Kabarettfestival 25.7. bis 1.8.2026
Ereignisse / Festival Salzkammergut Festwochen Gmunden Region Gmunden
Ereignisse / Festspiele Opernfestspiele Heidenheim
Konzerte / Konzert Gutshauskonzerte
VHS Glinder KuB
Aufführungen / Theater Sensemble Theater Kulturfabrik
Aufführungen / Kulturveranstaltung Dampfzentrale Bern
Aufführungen / Theater Theater und Orchester Heidelberg

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