Lucerne Festival gehört zu den international führenden Festivals im Bereich der klassischen Musik. Gegründet wurde Lucerne Festival 1938, Intendant ist seit 2026 Sebastian Nordmann.
Das zentrale Festival im Sommer von Mitte August bis Mitte September bietet ein vielfältiges Angebot von rund 100 Konzerten und weiterführenden Veranstaltungen. Jedes Sommer-Festival hat ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Dramaturgie des Programms zieht. Geboten wird ein vielfältiges Angebot an Konzertformaten – Sinfoniekonzerte, Kammermusik, Rezitale, Debuts, Late Nights und vieles mehr. Flankiert wird Lucerne Festival Summer von Kurzfestivals im Frühling und Herbst: vor Ostern von einer Frühjahrs-Residenz des Lucerne Festival Orchestra, im Mai von Lucerne Festival Pulse mit dem isländischen Ausnahmepianisten Víkingur Ólafsson und im November von Lucerne Festival Forward, dem Herbst-Festival für Gegenwartsmusik. Das KKL Luzern, erbaut von Jean Nouvel und für seine Akustik ebenso berühmt wie für seine Architektur, ist die zentrale Spielstätte von Lucerne Festival.
Das erste Sommer-Festival unter der Leitung des neuen Intendanten Sebastian Nordmann steht unter dem Motto «American Dreams» und präsentiert über 120 Veranstaltungen an insgesamt 32 Tagen, vom 13. August bis 13. September. Nordmanns Programm bewahrt den künstlerischen Kern des grössten Klassik-Festivals der Schweiz und entwickelt das Profil gleichzeitig weiter: Die renommiertesten internationalen Solist*innen und Orchester bilden den Schwerpunkt des Konzertkalenders, 20 Sinfonieorchester treten in nur einem Monat auf. Das Lucerne Festival Orchestra gestaltet sechs Abende sowie zwei «Klassik für alle: 40min», und die Lucerne Festival Academy wird erstmals von ihrem neuen künstlerischen Leiter, dem Komponisten, Klarinettisten und Dirigenten Jörg Widmann geleitet. Darüber hinaus gibt es auf allen Ebenen Neues zu entdecken: zum Beispiel innovative Konzertformate wie «Mittendrin», spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche mit «Luege Lose Erläbe», das neue «Klassik für alle: Open Air» am Tag vor der offiziellen Eröffnung. Der Geiger Augustin Hadelich tritt als diesjähriger «artiste étoile» in vier Konzerten auf, Mark Andre übernimmt die Rolle des composer-in-residence.
Mit dem Motto «American Dreams» schlägt Lucerne Festival eine Brücke zur vielfältigen amerikanischen Musikgeschichte, die reich ist an Stilrichtungen und Ausdrucksformen verschiedenster Kulturen, und Bezüge zu Musical und Filmmusik, Jazz oder Minimal Music herstellt. Im Eröffnungskonzert am 14. August stehen Werke von George Gershwin und Charles Ives auf dem Programm des Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Riccardo Chailly, ausserdem spielen Solist*innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) Steve Reichs New York Counterpoint in einer Fassung für elf Klarinetten. Als Abschlusskonzert am 13. September erklingt Gershwins Porgy and Bess mit dem Chineke! Orchestra und dem Vokalensemble der Cape Town Opera unter Kwamé Ryan. Beim Festival sind Werke vieler amerikanischer Komponist*innen zu erleben. Einige davon erklingen erstmals bei Lucerne Festival wie die Erste Sinfonie von Charles Ives mit dem Lucerne Festival Orchestra oder Aaron Coplands Appalachian Spring und Samuel Barbers Klavierkonzert, mit der Pianistin Yuja Wang und dem Mahler Chamber Orchestra. Lucerne Festival begrüsst den Wahl-Amerikaner und «artiste étoile» Augustin Hadelich und viele Gäste aus der «Neuen Welt», von der jungen Lyrikerin Amanda Gorman und der Klarinettistin Doreen Ketchens bis zum Met Orchestra unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin.
Lucerne Festival Orchestra | Jakub Hrůša | Ray Chen
Lucerne Festival Orchestra
Jakub Hrůša, Dirigent
Ray Chen, Violine
Erich Wolfgang Korngold (1897–1957): Violinkonzert D-Dur op. 35
Richard Strauss (1864–1949): Eine Alpensinfonie op. 64
In ganz grosser Besetzung tritt das Lucerne Festival Orchestra zu diesem Konzert an: Richard Strauss’ farbenprächtige Alpensinfonie sieht allein 64 Streicher vor, vierfach besetzte Holzbläser, acht Hörner auf der Bühne und zwölf dahinter, dazu je vier Trompeten und Posaunen, zwei Basstuben, zwei Harfen, Orgel, Celesta und riesiges Schlagwerk. Aber Strauss holt aus diesem gigantischen Klangkörper die feinsten Nuancen heraus und schildert eine Bergwanderung in 22 Stationen. Jagdhörner schallen, Herdenglocken läuten, der Wasserfall rauscht — und der tschechische Dirigent Jakub Hrůša versteht es wunderbar, dieses üppige Klanggemälde zum Leuchten zu bringen. Strauss war der Erfolgskomponist seiner Zeit, doch mit dem jungen Erich Wolfgang Korngold erwuchs ihm in den 1920er Jahren ein echter Rivale. Was wäre geschehen, hätte Korngold nicht ins Exil nach Amerika gehen müssen, wo er mit seinen Filmmusiken für Furore sorgte? Erst 1945 kehrte er zum klassischen Repertoire zurück und legte sein schwelgerisches Violinkonzert vor. Der taiwanesisch-australische Geiger Ray Chen wird es vortragen: «Zum Sterben schön», urteilte die Huffington Post über sein Spiel.
Pause um ca. 19.10 Uhr
Konzertende gegen 20.35 Uhr
17.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Aaron Copland (1900–1990): Appalachian Spring. Suite für Orchester
Samuel Barber (1910–1981): Klavierkonzert op. 38
Paul Dukas (1865–1935): Fanfare pour précéder «La Péri»
Samuel Barber (1910–1981): Mutations from Bach für Blechbläser und Pauken
Alexander Tsfasman (1906–1971): Jazz Suite für Klavier und Orchester
Seit 25 Jahren begeistert Yuja Wang mit ihrer stupenden Virtuosität die Musikwelt, doch Routine hat sich bei ihr nie eingeschlichen. Immer ist sie auf der Suche nach Neuem, will Unbekanntes entdecken, sich neu erfinden. Das Festival-Motto «American Dreams» stiess bei ihr sofort auf Widerhall. Deshalb hat sie Samuel Barbers Klavierkonzert in ihr Repertoire aufgenommen: ein Werk, das bei Prokofjew und Rachmaninow anknüpft, aber auch Einflüsse von Bartók und vom Jazz bietet. Das Ergebnis geriet so beeindruckend, dass Barber dafür 1963 den Pulitzer-Preis erhielt. Richtig vergnüglich geht es zu, wenn Yuja Wang im zweiten Teil die Jazz Suite des Ukrainers Alexander Tsfasman spielt und dabei selbst auch die Musikalische Leitung übernimmt. Sie hat ein echtes «Feeling» für den Jazz und wurde nicht zufällig 2024 mit dem Grammy für ihr Album The American Project ausgezeichnet. Am Pult stand dabei ihr langjähriger Freund Teddy Abrams. In Luzern dirigiert er den ersten Teil des Konzerts: mit Aaron Coplands herzerfrischendem Appalachian Spring zum Auftakt, der Anklänge an Folk Songs, Hymnen, Square Dance und Fiddle Music bietet. America at its best!
Pause um ca. 20.30 Uhr
Konzertende gegen 21.30 Uhr
18.30 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Poiesis Quartet: Sarah Ying Ma, Violine | Max Ball, Violine | Jasper de Boor, Viola | Drew Dansby, Violoncello
Jerod Impichchaachaaha' Tate (*1968): Pisachi. Six Epitomes for String Quartet
Coleridge-Taylor Perkinson (1932–2004): Streichquartett Calvary
Maurice Ravel (1875–1937): Streichquartett F-Dur
Etwas Neues schaffen, etwas entstehen lassen, das bisher noch nicht existierte: Das bedeutet das altgriechische Verb «poiein». Ein passender Name, fand Sarah Ying Ma, als sie 2022 mit ihren Kommiliton*innen Max Ball, Jasper de Boor und Drew Dansby vom Oberlin Conservatory in Ohio ein Streichquartett gründete. Und die vier gaben gleich richtig Gas: Nach nur einem Jahr spielte sich das Poiesis Quartet, das sich kollektiv als queer identifiziert, prompt auf den ersten Platz bei der Fischoff National Chamber Music Competition. Fun Fact: Die finale Probenarbeit war von besonderer Dringlichkeit beflügelt, hatte man sich doch versehentlich zunächst anhand der Repertoirekriterien des Vorjahres vorbereitet. Weitere Auszeichnungen folgten, zuletzt der Erste Preis beim renommierten Streichquartett-Wettbewerb in Banff, mit dem auch das Debut bei Lucerne Festival verbunden ist. Der «American Dream» dieses amerikanischen Quartetts? Komponist*innen eine Bühne zu geben, die nicht zum klassischen Kanon gehören. Diese programmatische Freiheit schöpfen sie nun auch in Luzern voll aus: mit sechs Stücken von Jerod Impichchaachaaha’ Tate, der zur indigenen Minderheit der Chickasaw Nation in den USA gehört, und einem Quartett des schwarzen Komponisten Coleridge-Taylor Perkinson, der in seiner Musik Klassik, Jazz und Pop verschmilzt.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 13.30 Uhr.
Musik & Mittagessen
Geniessen Sie nach dem Konzert ein feines Menü.
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Dresdner Festspielorchester | Concerto Köln | Dresdner Festspielchor der Richard-Wagner-Akademie | Kent Nagano | Solist*innen
Götterdämmerung
Dresdner Festspielorchester
Concerto Köln
Dresdner Festspielchor der Richard-Wagner-Akademie
Kent Nagano, Dirigent
Young Woo Kim, Siegfried
Johannes Kammler, Gunther
Daniel Schmutzhard, Alberich
Patrick Zielke, Hagen
Åsa Jäger, Brünnhilde
Sophia Brommer, Gutrune
Olivia Vermeulen, Waltraute
Jasmin Etminan, Erste Norn
Marie Luise Dressen, Zweite Norn
Valentina Farcas, Dritte Norn
Ania Vegry, Woglinde
Ida Aldrian, Wellgunde
Eva Vogel, Floßhilde
Richard Wagner (1813–1883): Götterdämmerung.
Dritter Tag des Bühnenfestspiels "Der Ring des Nibelungen"
Vergessen Sie alles, was Sie über Wagner zu wissen glaubten! Kent Nagano, das Dresdner Festspielorchester und Concerto Köln setzen mit ihrer Aufführung der Nibelungen-Tetralogie neue Standards. Denn erstmals erklingt das Mammutprojekt in historisch informierter Aufführung. Ganz wie zu Wagners Lebzeiten spielen die Streicher auf Darmsaiten; die Blasinstrumente sind den zeitgenössischen Vorbildern nachgebaut, die Stimmung des Orchesters ist tiefer, und die Texte werden auch schon mal deklamiert und nicht nur traditionell «gesungen». Endlich versteht man alles — und manchmal erinnert es fast an Liedgesang. Mit einem internationalen Forschungsteam hat Nagano verblüffende Erkenntnisse zutage gefördert. Das Ergebnis ist frappierend. «Leicht und luftig» klinge dieser Wagner, stellte Jan Brachmann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fest; insbesondere die Bläser verblüfften «mit einer schärferen Zeichnung in den Individualfarben: Das knarzt, rülpst und grunzt mit einer ungezogenen Körperlichkeit.» Mit der Götterdämmerung rundet sich der Ring in diesem Sommer. Und wir haben noch einmal die Chance, Wagners Musik so zu erleben, wie er sie wohl selbst gehört hat.
Konzertante Aufführung mit deutschen und englischen Übertiteln
erste Pause um ca. 19.05 Uhr, zweite Pause um ca. 20.40 Uhr
Konzertende gegen 22.30 Uhr
«The Wagner Cycles» in Zusammenarbeit mit den Dresdner Musikfestspielen
16.00 Uhr
Konzerteinführung mit Susanne Stähr (KKL Luzern, Auditorium)
Amanda Gorman, Poesie und Rezitation
Jan Vogler, Violoncello
Amanda Gorman (*1998):
An Ode We Owe
Fugue
New Day’s Lyric
What We Carry
The Hill We Climb
verschränkt mit:
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Suite für Violoncello solo Nr. 1 G-Dur BWV 1007
Suite für Violoncello solo Nr. 5 c-Moll BWV 1011
Suite für Violoncello solo Nr. 3 C-Dur BWV 1009
Die Welt hielt den Atem an, als 2021 die damals 22-jährige Lyrikerin Amanda Gorman im kanariengelben Mantel bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden ihr Gedicht The Hill We Climb vortrug. Wie eine Mischung aus Performance und Predigt wirkte ihr Auftritt: Gorman entwarf ihren eigenen «American Dream» und weckte den Wunsch, die verwundete in eine wunderbare Welt zu verwandeln. Damit traf sie den Nerv der Zeit, griff sie doch die aktuellen Sorgen und Ängste auf, um zugleich Hoffnung zu spenden. Zum 11. September 2026, dem 25. Jahrestag der verheerenden Terroranschläge auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington, wird Amanda Gorman bei Lucerne Festival zu Gast sein. Gemeinsam mit dem Cellisten Jan Vogler gestaltet sie einen poetisch-musikalischen Abend. Gormans visionäre Verse treffen dabei auf Johann Sebastian Bachs unvergleichliche Suiten für Violoncello solo: ein Brückenschlag über 300 Jahre. Sie rezitiert zwischen den Sätzen, spricht manchmal aber auch direkt auf die Musik. So entsteht ein Dialog, der — wie Vogler betont — den Glauben an die Menschlichkeit stärkt und viele überraschende Einsichten bereithält.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 21.00 Uhr.
Dudley Buck (1839–1909): Concert Variations on «The Star-Spangled Banner» op. 23
Sergej Rachmaninow (1873–1943): Die Toteninsel op. 29, transkribiert für Orgel von Louis Robilliard
Charles Ives (1874–1954): Variations on «America»
Marcel Dupré (1886–1971): Symphonie-Passion op. 23
Iain Farrington (*1977): Live Wire
Mit der amerikanischen Nationalhymne, dem Star-Spangled Banner, eröffnet Thomas Ospital sein Orgelrezital. Aber was der Komponist Dudley Buck damit anstellt, verschlägt einem den Atem — Patriotismus oder Militärparade sind da ganz fern. Und das ist nicht die einzige ironische Brechung. Dass ausgerechnet der Franzose Ospital, der 1990 in Bayonne zur Welt kam und seit 2015 Titularorganist von Saint-Eustache in Paris ist, zur «Voice of America» wird, lässt schmunzeln. Ebenso die Beobachtung, dass America, eine frühere, inoffizielle Nationalhymne der USA, die Charles Ives variiert, ausgerechnet auf der Melodie von God Save the King gründet. Aber Ospital belässt es nicht bei witzigen Pointen. Er spielt auch eine schillernde Transkription von Sergej Rachmaninows Tondichtung Die Toteninsel . Und er bringt die Symphonie-Passion des französischen Orgelmeisters Marcel Dupré zu Gehör: Der liess sich dazu von der grössten Orgel der Welt inspirieren, der Wanamaker Grand Court Organ in Philadelphia. Fetziger «Rausschmeisser» am Ende ist das Stück Live Wire von Iain Farrington: Das klingt, als würde es von einer Jazzband musiziert.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 18.35 Uhr.
Eine Techno Marching Band? Was ist denn das? Ganz einfach: Das ist spektakulär! Ausschliesslich auf akustischen Instrumenten, also rein analog, spielt MEUTE hypnotisch treibenden Techno und House — mit sattem Brass-Sound und drängenden Beats. Die elf Musiker mit den knallroten Jacken covern gefeierte Clubhits, spielen eigene Songs und sorgen mit Trommeln und Trompeten, Saxofon und Sousafon, Posaune und Marimba für eine energiegeladene Bühnenshow. Was 2015 als Experiment auf den Strassen des Hamburger Szenestadtteils St. Pauli begann, entwickelte sich schnell zu einem international gefeierten Phänomen: mit mehreren viralen Hits, weltweiten Tourneen, bislang vier Alben und Auftritten in der Serie Babylon Berlin . Kurz vor Festivalschluss kommt MEUTE erstmals nach Luzern und verwandelt das KKL in einen Dancefloor: Die Bässe wummern, die goldenen Knöpfe und Kordeln der Spielmannsuniformen glitzern im Strobolicht — und alle, wirklich alle, tanzen mit.
Ensemble Helix/Studio für zeitgenössische Musik der Hochschule Luzern – Musik | Gregory Charette
Trance
Ensemble Helix/Studio für zeitgenössische Musik der Hochschule Luzern – Musik
Gregory Charette, Dirigent
Michael Gordon (*1956): Trance
Rausch durch Repetition: Das ist das Rezept der Minimal Music. Sie wiederholt einfache Melodiemuster wieder und wieder, variiert sie dabei nur leicht — und avancierte zu einem der wichtigsten amerikanischen Beiträge zur Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Michael Gordon, zusammen mit Julia Wolfe und David Lang einer der Mitbegründer des legendären New Yorker Kollektivs Bang on a Can, knüpft an Minimal-Pioniere wie Steve Reich oder Philip Glass an. Seine Musik ist aber auch unüberhörbar vom Rock inspiriert. So beginnt Trance mit einem markanten Riff des E-Basses. Saxofone, Synthesizer und E-Gitarre sorgen für einen rauen, überaus kraftvollen Ensemblesound. Gordon lässt in diesem 1995 entstandenen Stück kurze Motive aufeinanderprallen und entwickelt aus komplexen, sich ständig verschiebenden Rhythmen einen heftig pulsierenden 50-Minuten-Rausch: kantige, groovende Musik, die auf einen ekstatischen Höhepunkt zusteuert und durch Samples von buddhistischen und gregorianischen Gesängen erweitert wird.
Dieses Konzert hat keine Pause und endet gegen 12.00 Uhr.
Chineke! Orchestra | Vokalensemble der Cape Town Opera | Kwamé Ryan | Solist*innen
Porgy and Bess
Chineke! Orchestra
Vokalensemble der Cape Town Opera
Kwamé Ryan, Dirigent
Nonhlanhla Yende, Bess
Conroy Scott, Crown
Lukhanyo Moyake, Sportin’ Life
Siyabulela Ntlale, Porgy
Brittany Smith, Clara
Siphamandla Moyake, Serena
Lungelwa Mdekazi, Maria
Magdalene Minnaar, Regie
Shaun Oelf, Choreographie
Grant van Ster, Choreographie
Maritha Visagie, Kostüme
George Gershwin (1898–1937): The Gershwin’s® Porgy and Bess®.
Oper in drei Akten von George Gershwin, DuBose und Dorothy Heyward und Ira Gershwin
Ob Summertime, It Ain’t Necessarily So oder I Got Plenty o’ Nuttin’ : In Porgy and Bess reiht George Gershwin Hit an Hit. Was leicht vergessen lässt, dass er keinesfalls ein glitzerndes Broadway-Musical komponierte, sondern eine wegweisende ernste Oper — die allerdings weniger nach Wagner oder Verdi klingt als vielmehr nach Spiritual und Jazz. Es geht um Arbeitslosigkeit und Armut, Drogen und Mord. Und um die unglückliche Liebesgeschichte zwischen dem gehbehinderten Bettler Porgy und der flattrigen Bess. Vor allem aber: Diese Oper spielt unter Afroamerikaner*innen — erstmals in der Geschichte des Musiktheaters. Das war mutig in den 1930er Jahren, zu Hochzeiten der Rassendiskriminierung. Genau wie Gershwins Vorgabe, Porgy and Bess sei ausschliesslich von schwarzen Sänger*innen aufzuführen. Bei Lucerne Festival können Sie die berühmteste und erfolgreichste Oper Amerikas mit dem Ensemble der Cape Town Opera erleben, Südafrikas einziger Musiktheatertruppe. Und auch das gefeierte Chineke! Orchestra, das nach seinen begeisternden Auftritten in den Sommern 2022 und 2024 an den Vierwaldstättersee zurückkehrt, setzt sich mehrheitlich aus People of Color zusammen.
Halbszenische Aufführung mit deutschen Übertiteln
Pause um ca. 17.25 Uhr
Konzertende gegen 19.20 Uhr
15.00 Uhr
Konzerteinführung mit Malte Lohmann (KKL Luzern, Auditorium)
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Bewertungen & Berichte Chineke! Orchestra | Vokalensemble der Cape Town Opera | Kwamé Ryan | Solist*innen
Festival
Forward-Festival 2026
Fr 20.11.2026 - So 22.11.2026
«Echoes of Schumann»: Lucerne Festival Forward schlägt die Brücke zwischen Alt und Neu und spürt der enormen Faszination nach, die der Romantiker Robert Schumann auf heutige Komponist*innen ausübt. Erstmals wird das Herbst-Festival für Gegenwartsmusik von Jörg Widmann kuratiert. Ausserdem mit dabei: Matthias Goerne, Heinz Holliger, Christian Jost, Fatma Said, Sir András Schiff, Johanna Summer, Antoine Tamestit und natürlich das Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO).
Jörg Widmann | Antoine Tamestit | Sir András Schiff
Jörg Widmann, Klarinette
Antoine Tamestit, Viola
Sir András Schiff, Klavier
Robert Schumann (1810–1856):
Märchenerzählungen op. 132. Vier Stücke für Klarinette, Viola und Klavier
Variationen über ein eigenes Thema Es-Dur WoO 24 Geistervariationen
György Kurtág (*1926): Hommage à R. Sch. für Klarinette, Viola und Klavier op. 15d
Robert Schumann (1810–1856): Märchenbilder op. 113. Vier Stücke für Viola und Klavier
Jörg Widmann (*1973): Es war einmal … Fünf Stücke im Märchenton für Klarinette, Viola und Klavier
Es waren einmal drei grossartige Musiker, die schwärmten alle für Robert Schumann. Also beschlossen Sir András Schiff, Antoine Tamestit und Jörg Widmann, sich seiner Musik gemeinsam zu widmen. Zwei späte Kammermusikwerke zeugen von der romantischen Faszination für Märchen, doch empfindet Jörg Widmann insbesondere die Märchenerzählungen als «zerrissenes, modernes Stück». Ohnehin seien Märchen ein «Seismograf unterschwelliger menschlicher Ur-Ängste und -Wünsche». Weshalb Widmann seinen eigenen Zyklus Es war einmal ... nicht als «sentimental-nostalgische Flucht in lange zurückliegende Zeiten» versteht, sondern «als naiv-fantastischen Gegenentwurf zu unserer realen Welt mit all ihren Verwerfungen». Auch György Kurtág griff Schumanns ungewöhnliche Trio-Besetzung aus Klarinette, Viola und Klavier auf und setzte verschiedenen Alter-Ego-und Fantasie-Figuren des Komponisten ein Denkmal — vom exzentrischen Kapellmeister Kreisler bis zum weisen Meister Raro. Mit den Geistervariationen erklingt ausserdem jenes Werk, an dem Schumann unmittelbar vor seinem Selbstmordversuch und psychischen Zusammenbruch arbeitete: Engel sollen ihm das Thema vorgesungen haben.
Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) | Christian Jost | Jörg Widmann | Fatma Said | Matthias Goerne
Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Christian Jost, Dirigent (Jost)
Jörg Widmann, Dirigent (Widmann)
Fatma Said, Sopran
Matthias Goerne, Bariton
Christian Jost (*1963): Dichterliebe für Sopran und Ensemble, nach Robert Schumanns Dichterliebe op. 48
Jörg Widmann (*1973): Schumannliebe für Bariton und Ensemble. Instrumentation von Robert Schumanns Dichterliebe op. 48
Robert Schumanns Dichterliebe erzählt die Geschichte einer Liebe. Sie erblüht hoffnungsvoll «im wunderschönen Monat Mai» und endet in bitterer Enttäuschung. Für Christian Jost sind diese sechzehn Heine-Vertonungen «Klang gewordene Imaginationen einer zerrissenen Seele», für Jörg Widmann «das Höchste, was an Kombination von Sprache und Musik je hervorgebracht worden ist». Beide haben sich an Neukompositionen des berühmten Liederzyklus gewagt und ihn auf ganz unterschiedliche Weise ins Heute übersetzt. Jost ergänzt Schumanns Melodien um eigene Zwischenspiele, bettet sie «wie Inseln» in einen «klanglichen Strom des Unbewussten». Widmann bleibt enger am Original, schafft motivische Verbindungen zwischen den einzelnen Liedern und entfaltet mit seiner originellen Instrumentierung, mit avancierten Spieltechniken und einem üppig besetzten Schlagwerk eine eigene, neue Klangwelt. Am späten Abend legt dann die deutsche Pianistin Johanna Summer mit einem weiteren, aus dem Moment geborenen Echo auf die Dichterliebe nach ...
«Echo Dichterliebe»
Improvisationen über Robert Schumanns Dichterliebe op. 48
Mit Robert Schumann startete sie ihre Karriere. Vor sechs Jahren veröffentlichte Johanna Summer ihr Debutalbum Schumann Kaleidoskop , auf dem sie den Romantiker improvisierend weiterdachte: Seine Stücke wurden zu «Standards» für spontane pianistische Exkursionen irgendwo zwischen Klassik und Jazz. Nun widmet sich Summer der Dichterliebe , reagiert in ihrer Late Night aber auch auf die Neukompositionen dieses Liederzyklus von Christian Jost und Jörg Widmann, die im vorangehenden Konzert erklingen. In der Dichterliebe gebe es «viele Momente, in denen man sich in einer Art Zwischenwelt zu befinden scheint, zwischen Traum und Wirklichkeit», erklärt Summer. «Wird Schumann den Absprung in eine andere Tonalität wagen, oder verharrt er noch einen Augenblick in der aktuellen Atmosphäre? Ähnliche Spannungsfelder beschäftigen mich beim Improvisieren ständig: Lässt sich eine Emotion am besten mit einem bestimmten klassischen Vokabular ausdrücken? Oder hat sich gerade ein Groove etabliert, der Schumanns musikalische Geste unterstützt, sie vielleicht sogar mit Klangfarben aus anderen Musikkulturen anreichert?»
Jörg Widmann | Solist*innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Jörg Widmann, Vortrag am Klavier
Solist*innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
«Ver-Rückungen»: Gedanken zur Musik Robert Schumanns mit Klangbeispielen am Klavier
Jörg Widmann (*1973): Fieberphantasie für Klavier, Streichquartett und Klarinette
Schon als junger Klarinettenschüler verfiel Jörg Widmann der Musik Robert Schumanns. Diese Liebe hält bis heute an und ist heftiger denn je — davon zeugen Werktitel wie Humoreske, Kreisleriana oder eben Schumannliebe , vor allem aber zahllose musikalische Bezugnahmen. Was fasziniert Widmann so sehr an Schumann, an der Musik und am Menschen? In einem musikalischen Vortrag spricht er über seine Verehrung des Romantikers und demonstriert sie überdies am Klavier. Im Fokus stehen Schumanns «Ver-Rückungen»: die für ihn so charakteristischen harmonischen und rhythmischen Verschiebungen, seine vielen musikalischen Neuerungen, aber auch sein tragisches Ende in der Nervenheilanstalt Bonn-Endenich. Zum Abschluss dieses Lecture-Konzerts erklingt Widmanns Fieberphantasie . Sie knüpft an Schumanns besondere Melodieführung an, die Widmann an das Ausschlagen einer Fieberkurve erinnert: «nervös, flackernd, fiebrig, unendlich viele kleinere und grössere Wellenberge und Wellentäler innerhalb des grossen Linienzugs».
Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
SWR Vokalensemble
Heinz Holliger, Dirigent
Robert Schumann (1810–1856): Nachtlied für Chor und Orchester op. 108
Aribert Reimann (1936–2024): Sieben Fragmente für Orchester in memoriam Robert Schumann: György Kurtág (*1926) / Heinz Holliger (*1939)
Drei kleine Stücke für grosses Orchester. Orchestertranskriptionen der Stücke … für Heinz …, In memoriam Anna Holliger und Anna Holliger in memoriam
Uraufführung
Heinz Holliger (*1939): Gesänge der Frühe nach Schumann und Hölderlin für Chor, Orchester und Tonband
Schumann «war eigentlich fast immer im Zentrum für mich», bekennt Heinz Holliger. Und das gilt ebenso für Friedrich Hölderlin, einen weiteren krisenhaften, von der Gesellschaft als «geisteskrank» eingestuften Künstler. Für Holliger indes sind beide «überhaupt nicht verrückt. Eher visionär. Sie haben einfach viel mehr Antennen.» In seinen Gesängen der Frühe greift er Schumanns gleichnamigen späten Klavierzyklus auf und verknüpft ihn mit Hölderlin-Gedichten, Tagebucheinträgen, Briefen sowie den Obduktionsberichten der beiden Künstler zu einem beklemmenden Psychogramm. Der 2024 verstorbene Aribert Reimann wiederum erbte als entfernter Verwandter des damaligen behandelnden Arztes Schumanns Krankenakten aus der Nervenheilanstalt Bonn-Endenich — und setzte sich in einem Orchesterstück mit der letzten Lebensphase des Komponisten auseinander. Hinzu kommen drei Solostücke von György Kurtág, die Holliger für grosses Orchester transkribiert hat — ein Gruss zu Kurtágs 100. Geburtstag. Ausserdem ein Original-Schumann: Das Nachtlied , das Holliger in seinen Gesängen der Frühe aufgreift, beschwört die bedrohliche Seite der Nacht, bevor der Schlaf seinen «schützenden Kreis» zieht.
Lucerne Festival gehört zu den international führenden Festivals im Bereich der klassischen Musik. Gegründet wurde Lucerne Festival 1938, Intendant ist seit 2026 Sebastian Nordmann.
Das zentrale Festival im Sommer von Mitte August bis Mitte September bietet ein vielfältiges Angebot von rund 100 Konzerten und weiterführenden Veranstaltungen. Jedes Sommer-Festival hat ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Dramaturgie des Programms zieht. Geboten wird ein vielfältiges Angebot an Konzertformaten – Sinfoniekonzerte, Kammermusik, Rezitale, Debuts, Late Nights und vieles mehr. Flankiert wird Lucerne Festival Summer von Kurzfestivals im Frühling und Herbst: vor Ostern von einer Frühjahrs-Residenz des Lucerne Festival Orchestra, im Mai von Lucerne Festival Pulse mit dem isländischen Ausnahmepianisten Víkingur Ólafsson und im November von Lucerne Festival Forward, dem Herbst-Festival für Gegenwartsmusik. Das KKL Luzern, erbaut von Jean Nouvel und für seine Akustik ebenso berühmt wie für seine Architektur, ist die zentrale Spielstätte von Lucerne Festival.